Erfahrungen mit dem Denkmalschutz
von Ulrike Nolte
Oft höre ich von Nachbarn, Freunden oder IGB-Mitgliedern, dass der Denkmalschutz (gemeint sind die zuständigen Behörden, bzw. deren Mitarbeiter) ein Hindernis größeren Ausmaßes darstellt, wenn es um Entscheidungen bei der Sanierung von unter Denkmalschutz gestellten Häusern geht. Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht und sind nicht gut zu sprechen auf die Denkmalschützer. Das geht sogar so weit, dass man alles versucht, um den Status für das Haus wieder abzuschütteln, was vermutlich nur äußerst selten gelingt. Einige wurden auch durch schlechte Erfahrungen anderer aufgeschreckt, wobei diese ja auch immer subjektiv sind.
Ich kann diese schlechten Erfahrungen nicht teilen und denke, es wird Zeit, einmal Positives zu berichten.
Als wir 2005 das Objekt unserer Begierde endlich fanden, bat ich zum ersten Besichtigungstermin den zuständigen Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde dazu. Ich wollte gleich zu Beginn erfahren, was möglich ist und was nicht. Dazu habe ich mir einige Fragen notiert, die ich loswerden wollte. Diese Arbeit hätte ich mir sparen können, denn wir wurden ohne Aufforderung aufgeklärt. Im sachlichen Ton wurde uns erläutert, worum es der Behörde im Wesentlichen ging: Um Erhaltung durch Nutzung (aber nicht um jeden Preis).
Das war eigentlich genau unsere Vorstellung, doch was heißt das im Einzelnen? Mit welchen „Verboten“ hätten wir zu rechnen? Dass wir aus einem so alten Haus keinen Neubau machen können, war uns klar. Auch, dass so viel Erhaltung wie möglich gefordert wurde. Dazu bekamen wir dann gleich ein paar Hinweise, die uns überraschten:
- die Fenster waren eindeutig aus unterschiedlichen Stilepochen und in einem sehr schlechten Zustand. Der zuständige Mitarbeiter signalisierte uns seine Zustimmung zum Nachbau einheitlich aussehender Fenster, wenn wir uns an eines der vorhandenen Modelle hielten und wir alle Fenster aus Eichenholz anfertigen lassen. Es gab auch keine Einwände gegen Isolierverglasung. Dass wir dann doch den etwas unbequemeren Weg mit der teilweisen Wiederverwendung der alten Verglasung und dem Einbau von Vorsatzfenstern gingen, ist eine andere Geschichte.
- Die Diele war durch den nachträglichen Einbau einer einfachen Holzständerwand zweigeteilt und sehr düster. Keine Frage, dass die entfernt werden durfte, obwohl sie eigentlich dokumentierte, dass die Schule einen eigenen Eingang hatte. Die dazu gehörige zweite Eingangstür stand aber nicht zur Debatte. Sie ist heute fest verschlossen, gedämmt und von innen verkleidet. Das Original ist erhalten geblieben und kann jederzeit durch den Rückbau der Verkleidung wieder genutzt werden.
Weitere Punkte wurden ebenso pragmatisch abgehandelt. Selbst Fragen zu den Fördermöglichkeiten wurden umfassend beantwortet, wir bekamen sogar ein Merkblatt mit allen Adressen und Namen der Ansprechpartner und Hinweisen auf notwendige Unterlagen für die Genehmigungsverfahren.
Während der Sanierung aufgetretene Fragen wurden sehr zeitnah abgeklärt und wenn es notwendig war, das Landesdenkmalamt einzuschalten, blieb „unser Denkmalschützer“ ohne Aufforderung am Ball und sorgte mit seinem kooperativen Einsatz dafür, dass es keine Verzögerung gab.
Das eigentlich letzte große Problem war die Holztreppe ins obere Geschoss. Sie war nicht nur steil, sondern auch sehr ausgetreten und wies einige Fehlstellen auf. Als klar wurde, dass wir sie nicht halten können, weil eine Aufarbeitung sehr unwirtschaftlich war, ließ ich mir Kostenvoranschläge und Vorschläge zur Ausführung machen. Diese Unterlagen schickte ich zusammen mit einigen Detailaufnahmen zur Behörde, mit der Bitte um Entscheidung für eine neue Treppe. Wenige Tage später bekamen wir Besuch. Die zuständige Mitarbeiterin aus dem Landesdenkmalamt wollte sich vor Ort informieren. Zu meiner großen Überraschung wurde noch während der Begehung entschieden, dass eine neue Treppe unumgänglich war. Beim späteren Ausbau zeigte sich, dass die Entscheidung die einzig richtige war. Eine Treppenwange war derart wurmgeschädigt, dass sie bei der Demontage zu Staub zerfiel. Diesen Zustand hätte niemand von uns vorhersagen können, das Holz war mehrmals mit dicken Farbschichten überdeckt. Die neue Treppe konnte mit zwei zusätzlichen Stufen ausgestattet werden, so dass sie heute nicht mehr ganz so steil ist.
Später wurde auch noch unserem Wunsch nach Klappläden an allen Fenstern entsprochen. Ursprünglich war nur ein Fenster damit ausgestattet. Wegen der relativ großen und vielen Fenster sind sie aber notwendig, um vor allem im Winter die Wärme im Haus besser halten zu können.
Selbstverständlich waren wir immer daran interessiert, Fragen möglichst frühzeitig zu formulieren, um diese auch rechtzeitig klären zu können. Auch unser Umgangston trug und trägt noch heute zum guten Verhältnis bei. Mein Fazit: Denkmalschützer sind keine Unmenschen, die kein Verständnis für die Bauherrschaft haben.
Natürlich sitzen solche Pragmatiker nicht überall in den Amtsstuben, aber möglicherweise kommen Missverständnisse auch erst dadurch zustande, dass die Bauherren sich nicht eingehend genug mit den Möglichkeiten befassen und sich selbst nicht genügend Zeit geben, Probleme und mögliche Lösungen zu überdenken.
Es ist nicht auszuschließen, dass einzelne Denkmalschützer auch mal in ihren Vorstellungen zu weit gehen, aber mit dem Wissen um den immer weiter fortschreitenden Verfall der alten Häuser sollte sich vernünftig argumentieren lassen. Wenn man sich achtungsvoll entgegen tritt, entstehen viele Probleme erst gar nicht und andere lassen sich besser lösen.

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