Der Waschtag ...... wie er bis zur Erfindung des Waschmittels (und darüber hinaus) ablief.
von Ulrike Nolte
Am Waschtag selbst musste das Waschwasser in großen Zubern bereitet werden, man brauchte also große Mengen an heißem und kaltem Wasser, das man nicht aus dem Wasserhahn laufen lassen konnte. Wasser wurde aus Brunnen geschöpft oder man holte es aus Bächen, Flüssen und Teichen. Manche hatten aufgefangenes Regenwasser zur Verfügung, was als das beste Waschwasser galt weil es sehr weich war/ist. Allein das war schon körperliche Schwerstarbeit. Dazu zählte noch die Schlepperei von Brennholz, ebenfalls nicht an heutigen Maßstäben messbar.
Gewaschen wurde, indem man die Wäschestücke zunächst mit großen Holzlöffeln oder –stielen eine gewisse Zeit lang in der Lauge hin und her bewegte. Besonders schmutzige Wäsche wurde anschließend noch geschrubbt und ausgeklopft (wir kennen noch das Waschbrett, früher kamen Steine zum Einsatz). Danach wurde mehrmals in klarem Wasser gespült und immer wieder kräftig ausgewrungen damit die Lauge möglichst vollständig ausgewaschen wurde. Schlecht gespülte Wäsche ist auch heute noch bretthart und fühlt sich merkwürdig an. Außerdem konnte und kann sie dann auch Allergien hervor rufen. Damals wie heute.
Die zu kochende Wäsche wurde in der Regel zuerst erledigt. Darauf folgte, manchmal in der gleichen, vorher abgekühlten, Lauge, die Feinwäsche. Säuberlich getrennt in die damals gebräuchlichen Gewebearten. Seide, Brokat und andere sehr wertvolle Gewebe gehörten durchaus dazu. Warme Unterwäsche wurde aus weißer Wolle hergestellt. Alles keine unempfindlichen Fasern, für die eine Sonderbehandlung notwendig ist – damals wie heute. So darf z.B. Seide und Wolle zwar durchaus heiß gewaschen werden, aber niemals einer Schockbehandlung durch Zugabe von kaltem Wasser ausgesetzt werden. Seide wird dann brüchig, Wolle filzt. Diese Materialien dürfen auch nicht geschrubbt oder geklopft werden, eine derart rüde Behandlung würde das Gewebe unweigerlich zerstören.
Weiße Leinenwäsche (aus gebleichtem Tuch) musste regelmäßig einen ganzen Tag lang in der Sonne zum Bleichen (auch an einen geeigneten Bleichplatz gab es gewisse Anforderungen, noch heute findet man Flur- oder Ortsbezeichnungen mit dem Zusatz „Bleiche“) ausgelegt werden, wobei man ständig darauf achten musste, dass die Wäsche nicht trocken wird. Besprengt wurde sie mit dem s.g. Bleichwasser, das aus einer verdünnten Chlorlösung bestand. Stark angegraute Wäsche wurde nach dem Waschen in einem Bleichbad (stärkere Clorlösung) nachbehandelt. Weiße Seide wurde in einem Säurebad aus Wasser und Salpetersäure nachgebleicht. Weiße Wolle wurde, wenn sie einen Gelbstich bekam, z.B. heiß geschwefelt. Dafür hatte man besondere Gerätschaften.
Nach dem Waschen, Spülen und ggf. Bleichen wurde die Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Empfindliche Materialien wurden so ausgelegt, dass sie schnellstmöglich trocknen können. Das Aufhängen dieser Gewebe ist nicht ratsam, das es sich durch das Gewicht des noch enthaltenen Wasser schnell verziehen kann und dementsprechend lapprig aussieht. Wind und Wärme beschleunigen den Trockenvorgang, im Winter hing die Wäsche manchmal tagelang auf der Leine, was ihr aber auch einen unglaublich frischen Duft verlieh.
War die Wäsche dann endlich sauber und trocken musste sie natürlich auch noch geglättet werden, bevor sie wieder in Schränken und Truhen verstaut wurde. Wussten Sie, dass man Leinenzeug kalt gemangelt hat? Dafür gab es diese urtümlich aussehenden Holzmangeln, später auch mit einem Gussrahmen. Sie wurden Glättmangel oder (C)Kalander genannt. Für diese Tätigkeit brauchte man auch das s.g. Mangeltuch, das in einer Endlosschleife mit dem aufgelegten Mangelgut durch die Walzen gezogen wurde. So lange, bis das leicht feuchte Leinenzeug vollständig trocken und aalglatt war. Um dem Leinengewebe einen besonderen Glanz zu verleihen (zu Appretieren), benutzte man eine Glättemangel mit einer Walze aus Bronze oder Messing und einer Walze aus Zinn. Dadurch bekam der Stoff einen atlasähnlichen Glanz, der schwach bläulich schimmerte. Mit dieser Glättmangel (auch Mange oder Mandel genannt) wurden aber nicht nur Bett- und Tischwäsche gemangelt, auch Bekleidungsstücke wurden damit geglättet, was aber eine gewisse Kunstfertigkeit beim Auflegen des Wäschestückes erforderte. Falten waren schon damals nicht in
Andere Gewebe wurden mit einem Plätteisen in Form gebracht. Diese Vorläufer der heutigen Bügeleisen gab es in den verschiedensten Ausführungen. Sie wurden mit glühender Holzkohle oder Kohlestückchen befüllt, oder aber auf dem Ofen erwärmt. In jedem Fall waren sie sehr schwer, aus Eisen eben.

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