Der große Waschtag anno dazumalvon Ulrike Nolte
Heutzutage macht man sich über den oder die Waschtage keine großen Gedanken (mehr). Wir sortieren die Wäsche, füllen die Waschmaschine, geben Waschpulver dazu, stellen das Programm ein und drücken auf den Einschaltknopf. Nach einer gewissen Zeit ist die Maschine fertig. Wir hängen die Wäsche auf, lassen sie trocknen, bügeln sie und legen alles wieder in die Schränke. Eine fleißige Hausfrau schafft das alles an einem Tag, manche brauchen zwei Tage. Aber das ist fast schon das Maximum an Zeitbedarf, außer, Frau ist berufstätig und/oder hat eine große Familie.
Früher war das etwas anders, ein Waschtag musste sorgfältig vorbereitet werden, angefangen vom Herstellen der Aschenlauge und diverser Seifen aus Asche, Tierfett und Kalk, bis hin zum Plätten, Zusammenlegen und einräumen. Zudem musste man auch noch defekte Stellen ausbessern. An einem oder zwei Tagen war das alles schwer zu schaffen.
Nicht nur, dass die Hausfrau Kenntnisse darüber haben musste, wie man Lauge und Seife herstellt (damals sehr wertvolle Gebrauchsgüter). Sie musste auch wissen, welche Laugenkonzentrationen für welche Gewebe nötig sind, und, ob sie über hartes oder weiches Wasser verfügt. Bei weichem Wasser benötigt man noch heute eine geringere Laugenkonzentration als in hartem Wasser. Kenntnisse über die Zusammensetzung und damit Strapazierfähigkeit der verschiedenen Gewebe waren nötig, ebenso in der Fleckentfernung, Herstellung von Bleichwasser und dem Bleichvorgang an sich. Zum Schluss wusste sie Bescheid wie man Gewebe flicken, stopfen, oder Kunststopfen kann und über die Temperaturverträglichkeit während des Plättens. Eingenähte Etiketten mit Wasch-, Reinigungs- und Bügelanweisungen, wie wir sie heute an jedem Kleidungs- und Wäschestück finden, gab es damals nicht.
Sehr interessant in dem Zusammenhang ist, dass schon der römische Gelehrte Plinius, der 79 v.Ch. starb, die Zubereitung von Seife (im damaligen germanischen Reich) aus Buchenasche und Ziegentalk schildert. Später erfanden die Franzosen eine Zubereitungsart mit Kalk als Zusatz, wodurch die Seife an Reinigungskraft bei Verwendung von kalkhaltigem Wasser gewann. Die heute noch bekannte Gallseife, die man zum Entfernen von Flecken nimmt, wurde ebenfalls schon sehr früh verwendet. Sie wurde aus der Galle von Tieren gewonnen. Schon die alten Römer kannten sie und entfernten mit dieser Seife stärkere Flecken. Heute werden zur Herstellung dieses Fleckenmittels Rindergalle und Kernseife verwendet, damals mischte man der Galle Schleim bei.
Ebenfalls schon sehr alt ist die Verwendung einer Pflanze als Reinigungsmittel: der Saponariae albae radix = Weiße Seifenwurzel, die von der Gypsophila struthium L. = Seifengypskraut abstammt. Wir kennen heute noch das s.g. Gemeine Seifenkraut (Saponaria officinalis), dies wurde ebenfalls schon bei den alten Römern und Germanen u.a. als Waschmittel verwendet. Jahrtausende lang hat man sich also der Naturstoffe bedient, um Stoffe vom Schmutz zu säubern. Waschmittel, wie wir es heute kennen, wurde erst am 6.Juni 1907 vom Kaufmann Fritz Henkel unter dem Namen „Persil“ auf den Markt gebracht, das aus Natriumperborat, Natriumsilikat, Natriumcarbonat und Seifenflocken bestand. Seither hat sich in der Herstellung von modernen Waschmitteln sehr viel verändert.

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