Startseite
Die IGB - über uns
Die IGB in Ihrer Nähe
Unsere Themen
Baupoltik
Bautechnik
Denkmalschutz
Hausforschung
Kulturlandschaft
Rund um's Haus/Gärten
IGB-Shop
Börsen
Termine / Veranstaltungen
Der Holznagel
Archiv
Foren
Links

Herzlich Willkommen bei der IGB, heute ist der 09.09.2010 :: Druckansicht
Sie befinden sich hier: Unsere Themen / Rund um's Haus/Gärten / Garten / Der Hausgarten / 

Bauerngärten

von Ulrike Nolte

 

Der Begriff „Bauerngarten“ wurde erst im Jahr 1913 geprägt, als der erste Garten dieses Namens im botanischen Garten in Hamburg angelegt wurde.

(Quelle: Wikipedia)

Ein sehr interessanter Artikel, auch im Hinblick auf die Geschichte.

In alten Schriften wird von „Haus- Nutz-, Küchen- oder Wirtschaftsgärten“ gesprochen.

 

Was ist ein „Garten“ überhaupt? Woher kommt dieser Begriff?
Kurz gesagt: Ein Garten ist ein umzäuntes Stück Land, das bewirtschaftet wird. Dieses Stück Land muss nicht zwangsläufig direkt am Haus/Hof liegen. Allerdings ist es seit Alters her üblich, einen Garten in der Nähe des Hauses anzulegen, weil man ihn dann auch "zwischendrin" bearbeiten kann. Eine sehr ausführliche Definition findet man hier:

Oeconomische Encyclopädie online Buchstabe G oder Stichwortsuche "Garten".

 

Wie haben die historischen Hausgärten wirklich ausgesehen?
Das ist schwer zu sagen. Im Süden sicherlich anders, als im Norden. In den Bergen anders, als im Flachland. Das liegt in der Natur der Sache, bzw. des unterschiedlichen Klimas und in den unterschiedlichen Ansprüchen der Besitzer. Mit Sicherheit sahen sie aber nicht so aus, wie man uns heute in historisierendem Eifer so gerne weis machen möchte. Von Ausnahmen abgesehen.

 

Natürlich gab es einige Gärten, in denen am Schnittpunkt der Wegekreuze ein hübsches Rondell zu finden war und die Beete mit einem dichten Buchssaum eingefasst waren. Denn selbstverständlich gab es auch schon früher Familien auf dem Land (und in der Stadt), die reicher waren als andere, die Haus und Hof vom Gesinde bewirtschaften lassen konnten, so dass die Hausfrau mehr Zeit hatte, einen repräsentativen Garten zu pflegen.

 

Die herkömmlichen Hausgärten (die früher an jedem dörflichen Haus zu finden waren und keine Domäne der Bauern waren) waren ganz und gar auf größtmöglichen Nutzen, also Ertrag, ausgelegt. Zierelemente wie buchgefasste Beete waren dort nicht anzutreffen. Wenn sie überhaupt nach der klassischen Form der Vierteilung angelegt wurden, fehlte das Rondell in der Mitte weil es keinen entsprechenden Nutzen dafür gab. Der Hausgarten diente den Familien als Nahrungsquelle, man musste den Bedarf eines ganzes Jahres aus ihm heraus holen. Die Bewirtschaftung erledigte die Hausfrau neben dem ganzen anderen Tagesgeschäft und oft musste mit Gartenfrüchten und Obst noch ein Zubrot erwirtschaftet werden.

 

Buchsgefasste Beete waren bei der ärmeren Bevölkerung vermutlich auch deshalb nicht anzutreffen weil Buchs teuer war (ist er heute noch). Die relativ lange (wenn auch einfache) Anzuchtzeit der Jungpflanzen, die dann auch in entsprechender Anzahl vorhanden sein mussten, sprechen eher gegen eine breite Verwendung als Beeteinfassung um’s Gemüse. Außerdem ist ein solches Beet eher schwer zu bearbeiten. Vor allem im Herbst und Frühjahr, wenn Spaten und Harke zum Einsatz kommen.

 

Schauen wir mal in alte Gartenbücher.
Fr. B. Hoffacker schreibt in seinem 1859 erschienenen Buch „Der Hausgarten in Stadt und Land, leichtfassliche Anleitung zum Gartenbau für Besitzer städtischer und ländlicher Hausgärten“ zum Thema Anlage eines Gartens:
... Manchmal ist der Besitzer in der Lage, auch vom größeren Garten einen nahmhaften Theil dem Vergnügen zu widmen. Wie dem aber auch sei, die Verbindung des Ziergartens mit dem Nutzgarten kann auf verschiedene Weise geschehen und wir wollen sehen: Wie?

 a) Der Garten wird überwiegend zum Anbau von Gemüse mit etwas Obst, besonders Pyramiden- und Spalierobst, auch Reben bestimmt und erhält eine regelmäßige Form. Die Gemüsebeete umfasst man längs der Wege mit schmalen Rabatten und pflanzt in dieselben zwischen den Pyramiden Rosenbäumchen und verschiedene Blumen. Ist in der Mitte kein Brunnen, sondern ein Rondellbeet, so erhält es die hübschesten Blumen und etwa ein hohes Rosenbäumchen oder dergleichen in der Mitte. Zur Einfassung der Beete im Nutzgarten schreibt er:
...Im Küchengarten dienen noch Rankenlose Erdbeere, Schnittlauch, Winterzwiebeln, Majoran, Lavendel, ec.
Kein Wort von Buchs, der wird nur als Beeteinfassung im Ziergarten erwähnt.

 

Franz Göschke schreibt in seinem 1905 erschienenen Buch „Der Hausgarten auf dem Lande“ zum Thema Anlage des Gartens:
...Der Gemüsegarten zerfällt durch die geraden Hauptwege in vier Felder, die mit Rabatten eingefaßt sind.
Auch hier wieder: Kein Buchs.

 

In „Der Bauerngarten“ von Dr. U. Wetzel, erschienen im Jahr 1935, schreibt dieser über den Nutzen:
Der Bauerngarten soll zunächst das ganze Jahr hindurch den Tisch des Bauern und seines Gesindes mit frischem Obst und Gemüse versorgen.
Über die Schönheit des Gartens schreibt er:
Die ideelle Seite der bäuerlichen Gartenkultur darf aber bei all dem nicht vergessen werden. Welch feines Schmuckkästchen stellt ein wohlgepflegter Bauerngarten dar!

Hier taucht er auf, der Bauerngarten. Aber in Bezug auf den Bauernstand, nicht als Garten von Nichtbauern. Im folgenden Text über die Anlage eines solchen kein einziges Wort von buchsgefassten Beeten.

 

Und auch in einem weiteren Büchlein aus dem Jahr 1937 von Hans Wegener fehlen Angaben darüber.

 

Fazit: Der traditionelle Nutz-, Küchen-, Haus- oder Wirtschaftsgarten war etwas vollkommen anderes als das, was uns diverse Glanzdrucke als solche verkaufen wollen. Wenn man nach der wahren Tradition sucht, sollte man Historisierendes und Verniedlichungen ausklammern. Der Alltag unserer Vorfahren war alles andere als einfach und süß.

 

Einigen wir uns doch einfach auf den Begriff des traditionellen Hausgartens, damit beschreiben wir die Gesamtheit des am Haus gelegenen und bearbeiteten Stück Land. Der Hausgarten wird unterteilt in den Küchen-, Obst- und Ziergarten. Wobei auch im Küchengarten Blumen zu finden sind. Nicht nur, weil es hübscher aussieht, sondern auch (oder gerade weil) diverse Eigenschaften der Blumen gut für die Kultur der Gemüsepflanzen sind.
 


 Die Autorinnen | Fenster- und Kübelpflanzen | Gemüsegarten | Kompostgewinnung | Neuanlage / Regenerierung | Pflanzenvielfalt | Sensen und Sicheln | Zeigerpflanzen | Gartenvorstellungen
 


nach oben

nach oben