Bauernhausarchiv, Karteikartensystem © Interessengemeinschaft Bauernhaus, Heinz Riepshoff

Bauernhaus-Archiv

Das Bauernhaus-Archiv erforscht, dokumentiert und archiviert die ländliche Bau- und Wohnkultur mit besonderem Augenmerk auf Bauernhäuser und deren Ausstattung.

Dabei wird sämtliches Material zusammengetragen, das mit dem früheren ländlichen Leben in der Region in Zusammenhang steht. Der räumliche Fokus liegt auf dem Gebiet der ehemaligen Grafschaften Hoya und Diepholz, das sich heute auf die vier Landkreise Diepholz, Verden, Nienburg und Oldenburg erstreckt. Als Teil des Kreismuseums Syke wird das Archiv zur ländlichen Bau- und Wohnkultur Kooperation mit der Interessensgemeinschaft Bauernhaus (IgB) betrieben.

Die Einrichtung und Eröffnung des Bauernhaus-Archivs im Jahr 2002 geht auf den Erwerb des Privatarchivs von Heinz Riepshoff aus Verden durch den Landschaftsverband Weser-Hunte für das Kreismuseum Syke zurück. Die erworbene Erstausstattung des Archivs beinhaltete über 40.000 Farbfotos und Repros historischer Schwarzweiß-Fotografien, ca. 350 Blätter mit Zeichnungen und Aufmaßen sowie 100 Reinzeichnungen. Im Laufe der Zeit sind zahlreiche weitere Materialien hinzugekommen. Alles in allem konnten 8.000 historische Gebäude in den Landkreisen Diepholz, Verden, Nienburg und Oldenburg dokumentiert werden, darunter ca. 1.000 Aufmaße, 600 Reinzeichnungen und 150 dendrochronologische Untersuchungen.

Syke, Bauernhausarchiv © Interessengemeinschaft Bauernhaus, Heinz Riepshoff
Syke, Bauernhausarchiv, Bibliothek © Interessengemeinschaft Bauernhaus, Heinz Riepshoff

Wie wird dokumentiert?

Die Besonderheit des Bauernhaus-Archivs unter der Leitung von Heinz Riepshoff ist die Bestandsaufnahme vor Ort. Die Arbeitsweise läuft nach dem Prinzip Dokumentieren, Archivieren und zum Schluss das ganzheitliche Erforschen. Dieses Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Archiven macht das Bauernhaus-Archiv neben einem Ort des Sammelns und Aufbewahrens zu einem Ort der aktiven Dokumentation.

Das Bauernhaus-Archiv hat sich zum Ziel gesetzt, so viel Material wie möglich über die frühere Lebensweise anhand der baulichen Gegebenheiten zu sammeln. Um dieses Material überhaupt sammeln zu können, muss eine Dokumentation am Gebäude erfolgen. Diese Aufgabe übernimmt in der Regel Heinz Riepshoff in eigenständiger Arbeitsweise, das heißt es werden vor Ort Fotos, Aufmaße und Skizzen angefertigt. Letztere werden nachträglich in eine Reinzeichnung umgewandelt und zusammen mit den anderen Unterlagen in den Archivbeständen aufgenommen. Zur Ergänzung und besseren Auswertung wird die Bestandsaufnahme um Material aus weiteren Quellen ergänzt und mit diesem gemeinsam untersucht und ausgewertet. Dabei spielen alte Fotografien der Eigentümer eine ebenso große Rolle wie historisches Archivmaterial. Auf diese Weise konnten 8.000 historische Gebäude und 90.000 Fotografien und Abbildungen angefertigt und zusammengetragen werden.

Was gehört zu einem Bauernhaus?

Nicht nur regionale Bauernhaustypen, sondern auch Material zum gesamten Spektrum ländlicher Bau- und Wohnkultur sowie des früheren Lebens auf dem Hof aus unterschiedlichen Epochen findet sich im Bauernhaus-Archiv der Grafschaften Hoya und Diepholz. Ziel ist es, dieses Material für nachfolgende Generationen in dokumentierter Form zu erhalten. Neben Daten über das einzelne Bauernhaus oder eine Hofanlage werden ebenfalls Informationen zu anderen ländlichen Gebäudearten gesammelt. Dazu gehört beispielsweise ein inzwischen allein stehendes Speichergebäude, das früher der Kornaufbewahrung diente, genauso wie die Ausstattung der Gebäude, wie eine Truhe oder ein Arbeitsgerät. Alles liefert Hinweise auf die Wohnsituation der früheren Hofbewohner und deren Lebensweise.

Gerade die Vielfalt der unterschiedlichen Gebäudekomplexe, deren Umnutzungen und die Weiterverwendung von Gebäudeteilen zeigen, dass die Hofanlagen den Lebensumständen der Hofbewohner angepasst wurden und fördern damit wichtige Hinweise auf das Leben zu früherer Zeit in der Region zutage. Die Anlage „Bauernhaus“ umfasst also nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern zeichnet sich durch eine Vielfalt funktionaler Gebäudeformen und Ausstattungsstücke aus.

Ziele des Bauernhausarchivs

Der Sinn des Bauernhaus-Archivs besteht an erster Stelle darin, für einen überschaubaren Bereich so viel Material wie möglich über die ländliche Bau- und Wohnkultur der Nachwelt zu erhalten. Täglich fallen Gebäude in sich zusammen, werden abgerissen oder mehr oder weniger fachlich restauriert. Selbst vor einer guten Restaurierung sollten Gebäude dokumentiert werden, denn auch bei einem substanzschonenden Umbau werden Spuren vernichtet. Dabei spielt die Frage, ob ein Gebäude unter Denkmalschutz steht, nur eine untergeordnete Rolle. Ein völlig abgängiges Haus, die Außenwände schon vor langer Zeit durch Ziegel ersetzt, verfügt vielleicht im Kern über Spuren einer alten Feuerstelle, eines Plattenofens oder über das älteste Innengerüst der Region. Bei einem Abbruch gehen unwiederbringlich wichtige Informationen verloren, die dokumentiert aber noch einen entscheidenden Beitrag zur Baugeschichte einer Region beitragen können. Allerdings nur, wenn sie gesammelt werden und für die Region aufgearbeitet zur Verfügung stehen.

Der zweitwichtigste Punkt ist die Aufarbeitung und Veröffentlichung des Materials. Die Bücher „Speicher und Backhäuser in der Grafschaft Hoya“, „Kein Haus ohne Fenster – Die Geschichte des Fensters in der Grafschaft Hoya“, „Bauernhäuser im Dreißigjährigen Krieg“ sowie "Das Bauernhaus vom 16. Jahrhundert bis 1955 in den Grafschaften Hoya und Diepholz" sind ein Ergebnis dieser Arbeiten.

Ein dritter Aspekt der Arbeit besteht darin, dass jede Hausuntersuchung und Dokumentation eine unmittelbare Auseinandersetzung mit den Eigentümern nach sich zieht. Viele Besitzer begreifen erst nach mehreren Besuchen und Gesprächen den Wert und die Geschichte ihrer Gebäude, obwohl schon seit 10 Generationen im Familienbesitz. In einem Fall konnte ein Gespräch einen Tag vor einem geplanten Abbruch eines Hallenhauses genau diesen verhindern. Am nächsten Morgen wurde der anrollende Bagger kurzerhand wieder nach Hause geschickt und stattdessen das große, stark renovierungsbedürftige Bauernhaus wieder instand gesetzt.

Bauernhaus-Archivder Grafschaften Hoya und Diepholz, Am Amtmannsteich 3, 28857 Syke

Telefonische Anmeldung wird empfohlen: Tel. 04231 3384

Öffnungszeiten jeden Dienstag von 15 - 18 Uhr

www.bauernhausarchiv.de

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