Stade, Hausforschertreffen 2019 © Interessengemeinschaft Bauernhaus, Bernd Kunze

Die Hausforschertreffen

Die ehrenamtlichen Hausforscher der IgB sind in der Nordwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Haus- und Gefügeforschung mit professionellen Forschern, die in Universitäten, Museen, als Restauratoren oder Facharchitekten arbeiten, organisiert. Ihr gemeinsames Ziel, der Schutz und die Erforschung der ländlichen und kleinstädtischen Bausubstanz, verbindet die Mitglieder dieses informellen Arbeitskreises. Einmal im Jahr veranstalten sie eine gemeinsame Tagung.

Tagungen des Arbeitskreises für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland

2022 - 24. Tagung in Worpswede in der Bötjerschen Scheune im alten Ortskern von Worpswede, "Heimatschutzstil – landschaftsgebundenes Bauen – Reformarchitektur. Ländliches Bauen zwischen 1900 und 1930"

Tagungsprogramm

Vorträge:

Samstag, 19. März

  • 9.00 Uhr Begrüßung, Grußworte
  • 9.15 Uhr Wolfgang Dörfler: Vom Heimatschutz inspirierte Architektur im Zentrum des Elbe-Weser-Dreiecks (mit Einführung in die Tagungsregion)
  • 9.50 Uhr Jürgen Teumer: Carl Weidemeyers Weg von Worpswede nach Ascona – oder: Vom Heimatstil zum Neuen Bauen
  • 10.40 Uhr Heinz Riepshoff: Kulturkampf – Jugendstil und Reformarchitektur gegen Gründerzeit
  • 11.20 Uhr Klaus Stanjek: Die Landhaus-Architektur der Brüder Schulze in Worpswede und Fischerhude
  • 11.45 Uhr Kirsten Freytag: Der Architekt Willhelm Matthies (1867-1934) – Heimatstil in der Lüneburger Heide
  • 12.10 Uhr Klaus Freckmann: Beispiele des Heimatschutzstils in Brandenburg, insbesondere das Restaurant „Seekrug“ am Templiner See bei Potsdam


Sonntag, 20. März

  • 9.00 Uhr Heidrun Bernitt: Bruno Möhring (1863 -1929): Siedlungen in Oberhausen und Lauchhammer
  • 9.25 Uhr Zofia Durda: „Schule Tessenows“ und „Einfühlungsvermögen (...) in den Baugeist des Südens“. Theodor Wielands Bauten in Palästina und Australien
  • 9.50 Uhr Robert Gahde: Zwischen Bauverwaltung und Heimatschutz. Werner Lindner als Regierungsbauführer in Bremen, Eberswalde und Stade
  • 10.15 Uhr Thomas Spohn: Bodenreform, Innere Kolonisation und Neubauernhöfe der Siedlungsgesellschaften 1919 bis 1932
  • 11.00 Uhr Michael Schimek: Heimatschutzarchitekturen im Land Oldenburg: Grundgedanken, Vermittlungsinstanzen, Ausprägungen
  • 11.25 Birte Rogacki-Thiemann: „Es ist dies eine Anlage, die sich den englischen Landhäusern würdig an die Seite stellen lässt und einen ungemein malerischen Eindruck macht, besonders durch das große, meist bis auf das Erdgeschoss herabgezogene Rohrdach.“ Der Haghof von Ferdinand Eichwede in Isernhagen bei Hannover
  • 11.50 Uhr Hans-Joachim Turner: Auf Spurensuche nach einem Architekten großer Bauernhäuser des ländlichen Heimatstils am Rande der Nordheide
  • 12.15 Uhr Christian Schulte: „Das grüne Haus im Paderborner Land“ – Fechtstraße Nr. 7 von 1935 in Lichtenau-Husen
  • 12.40 Uhr Meike Mühlbauer, Stefan Hofmann: Ein Brandenburger Neubauernhaus von 1947 – ein Baustellenbericht
  • 13.05 Uhr Volker Gläntzer, Erhard Pressler, Elisabeth Sieve: Neues aus dem 15. und 16. Jahrhundert – ein Arbeitsbericht aus dem Artland
  • 13.25 Uhr Abschlussdiskussion; Vorbereitung der Tagung 2023

Exkursion:

Samstag 12.30 Uhr: Busexkursion nach Fischerhude, Worphausen und Lilienthal-Mittelbauer

2021 - 33. Tagung in Kiel (Schleswig-Holstein) im Freilichtmuseum Molfsee – Landesmuseum für Volkskunde bei Kiel, " Bauernhausforschung als Agrargeschichte"

vom 3.-5. September 2021, 76 Teilnehmende, Organisation: Nils Kagel und Wolfgang Rüther, Thomas Spohn

Exkursion in die Probstei: Gut Wahlstorf; St. Johannis-Kirche Malente-Neukirchen; Probstei-Museum Schönberg; Hof Wiese in Laboe

Aus dem Aufruf: Eine Beschäftigung mit Bauernhaus und Bauernhof ist ohne Bezug zur Landwirtschaft nicht möglich. Zumindest indirekt wurde auf unseren Tagungen ungezählte Male von den Wechselwirkungen zwischen den Bauten und der Tätigkeit ihrer Bewohner und Nutzer gesprochen, nicht selten auch ausdrücklich darüber referiert, wie z. B. über das Aufkommen von Schweineställen oder gewerblichen Nebengebäuden. Auf der 33. Tagungen sollen nun zusammenfassend solche Baubefunde im Mittelpunkt stehen, die – als deren unmittelbare Folgen – direkte Hinweise geben auf Veränderungen in der Agrarstruktur einzelner Regionen oder Epochen.
In Frage steht etwa, ob und welche Veränderungen an der Bausubstanz zu erkennen sind, die sich z. B. durch Wechsel der landwirtschaftlichen Produktionszweige erklären lassen, etwa im Verhältnis von Ackerbau und Viehwirtschaft oder von Wollwirtschaft und Fleisch- oder Milcherzeugung. Zu denken ist auch an die Einführung neuer Früchte, wie jeglicher Arten von Obst und von Hackfrüchten, ebenso wie an landtechnische und/oder naturwissenschaftliche Novationen von Futteranbau und Stallhaltung zwecks Düngergewinnung bis zur Einführung von Mineral- und Kunstdüngers und natürlich auch die Mechanisierung und Motorisierung von Innen- und Außenwirtschaft.
Wie bei allen Jahrestagungen des Arbeitskreises sind Referate zu einzelnen Bauten und Baubefunden ebenso erwünscht wie Überblicke über einzelne Phänomene oder Regionen. Auch eine zeitliche Eingrenzung ist nicht vorgesehen: Die Beispiele dürfen ebenso dem Industriezeitalter wie der Ur- und Frühgeschichte entstammen. Wichtig ist nur, dass funktionale Aspekte von Haus und Hof im Mittelpunkt der Referate stehen, solche Phänomene also, die primär aus Agrargeschichtlichen Entwicklungen resultieren und diese belegen. Alle Arten von Veränderungen der Bautechnik (von neuen Baumaterialien und Verarbeitungstechniken) oder der Baugestalt sollen also dieses Mal nicht behandelt werden, wobei freilich im Bestand ablesbare Baukonjunkturen durchaus auf Novationen des Landbaus zurückgeführt werden können.

geplante Vorträge:
Thomas Spohn: „Bauernhausforschung als Agrargeschichte“ – Kleine Einstimmung auf’s Tagungsthema
Nils Kagel: Einführung in die Tagungsregion – Die ländliche Baukultur Schleswig-Holsteins vor dem Hintergrund ökonomischer Prozesse im neuzeitlichen Europa

Mette Svart Kristiansen: Tradition and innovation in 19th century farm buildings in Denmark

Holger Reimers: Kontinuität und Wandel: Glockentürme im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg 1441 bis 1825. Ein Überblick aus baugeschichtlicher Sicht

Christine Scheer: Schöpfmühlen in der Wilstermarsch

Dietrich Maschmeyer: Bäuerliche Gebäude: Zeugnisse agrarischen Wandels

Fred Kaspar: Gewisse und ungewisse Gefälle, Dienste und Pachten sowie außerordentliche Steuern in der bäuerlichen Naturalwirtschaft

Klaus Freckmann: Landwirtschaftliche Nebengebäude und Sonderbauten im Norden Deutschlands – Von der Scheune bis zum Tabakspeicher

Benno Furrer: Alles Käse! – Käseproduktion in Tal-, Berg und Alpwirtschaft der Schweiz – Veränderungsprozesse und ihre Spuren an Gebäuden

Hans-Joachim Turner: Baulichkeiten, die den Kartoffelanbau in der Region Rotenburg (Wümme) belegen

Bernd Adam: Brauhaus des Schlosses in Arolsen-Landau

Fritz Jürgens/Nils Kagel: Das Bienenhaus aus Wahlstorf – bauliches Relikt einer verlorenen Kulturlandschaft

Thomas Spohn: Kniestöcke auf Häusern Südwestfalens und die Siegener Wiesenbauschule von 1853

Wolfgang Dörfler: Räumlichkeiten zur frostfreien Lagerung von Kartoffeln

Michael Römer: Maßnahmen gegen holzzerstörende Insekten. Vorstellung machbarer Methoden

2020 - 32. Tagung in Freckenhorst (Stadt Warendorf, Westfalen): „Kirchen und Kirchorte als Kristallisationspunkte ländlicher Siedlung“

Tagungsort: Landvolkshochschule „SchorlemerAlst“ in Freckenhorst, 6.-8. März, 90 Teilnehmende, Organisation: Fred Kaspar und Laurenz Sandmann, Thomas Spohn

Exkursion: Ostenfelde (Kirchplatz mit Gasthäusern und Gademen, Schloss), Stromberg (Beamtenhäuser im Wigbold vor der Burg, Burg mit Kapelle, Kirchdorf im Tal mit Gasthaus und Pfarrhof), St. Vit bei Wiedenbrück (Küsterhaus), Gütersloh (Kirchplatz)

Aus dem Aufruf: Auf dem Land wurden Kirchen offensichtlich zu wesentlichen Kristallisationspunkten der gesamten Siedlungsstruktur und der Entwicklung von Dörfern. In vielen Regionen entstanden allerdings keine geschlossenen Dörfer, sondern die Bauern siedelten einzeln oder in kleinen, lockeren Gruppen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den von ihnen genutzten Ländereien. Ihre nicht selten auf dem Hof des Grundherren gegründete Pfarrkirche mit dem Kirchhof blieb daher eher einsam und war nur umgeben vom Hof des Pfarrers und wenigen kleinen Häusern für Küster, Organist und Lehrer. Dazu konnten noch ein Gast- und ein Versammlungshaus sowie wenige Häuser kommen, in denen für die ländliche Bevölkerung arbeitende Handwerker lebten.

Historische Pfarrkirchen in ländlichen Regionen zeichnen sich oft aber auch durch eine bemerkenswerte Umgebung aus: sie sind umgeben von einer Bebauung kleiner und kleinster Häuser, die sich in großer Enge und oft ohne zugehörige Freiflächen um den Kirchhof zusammendrängen, während die weitere Struktur der Kirchdörfer oft nur aus wenigen weitläufigen Hofanlagen besteht oder aber von einer sehr lockeren Bebauung geprägt wird. Diese bauliche Erscheinung hat ihre Ursache in Entwicklungen und Funktionen des Kirchhofes, die viele Jahrhunderte zurückliegen.

Wer hat also wann und warum im Umkreis der Kirche gelebt und/oder gearbeitet und welche Stellung nahmen diese Personen im Sozialverband der Gemeinde ein? Kirchen dienten neben ihrer primären Funktion als sakraler Raum ebenso profanen Zwecken, etwa als Versammlungsort und sicheres und feuerfestes Lager für Handelsgüter, als Lager für Getreide oder von Gerätschaften bzw. auch zur Unterbringung von Archiven und bäuerlichem Besitz.

Um hier zu vermehrtem und neuem Wissen zu gelangen und einen differenzierteren Blick auf das Phänomen Dorf zu schaffen, bieten sich vor diesem nur grob umrissenen Themenfeld zahlreiche Fragestellungen an, in den Blick genommen zu werden: Profane / genossenschaftliche Nutzungen von Kirchen, Küsterhaus und Schule, Speicher und Kirchhof, dörfliche Handwerker, Pfarrhaus und Gasthaus, Gildehaus und andere Versammlungsstätten, Zehntscheune, Haupt- und Schultenhof, Amtshaus und Burg des Grundherren, Bauernschaft, Dorf- und Kirchengemeinde.

Vorträge:

• Wolfgang Rüther: Hof, Familie und Dorf zwischen Gestern und Morgen. Entwicklungen zur aktuellen Entwicklung des ländlichen Raums

• Peter Ilisch: Leben auf dem Lande in der Vormoderne - Grundstrukturen der Grundherrschaft, Ortsherrschaft, Landesherrschaft

• Christoph Dautermann: Kirchdörfer: Forschungsstand und Forschungsfragen

• Joachim Kleinmanns: Heiligenkirchen - Vier Meierhöfe und ein karolingischer Kirchenbau

• Fred Kaspar: Sicherheiten der ländlichen Bevölkerung in Notzeiten

• Dirk Wübbenhorst: Ländliche Siedlungen als Kristallisationspunkte für Kirchen und Kapellen

• Christine Scheer: Kirchdörfer am holsteinischen Elbufer

• Zofia Durda: „Zelt Gottes“ in Hittfeld – die katholische Kirche St. Ansgar

• Sonja König / Stefan Krabath: Von großen und prächtigen mittelalterlichen Kirchen in kleinen Orten in Ostfriesland

• Jochen Georg Güntzel: Die Kapelle des Schlosses Kammer als Kristallisationspunkt für den Kirchort und das Dorf Maishofen im Pinzgau

• Heinz Riepshoff: Zur Baukultur der Siebenbürger Sachsen – Kirchenburgen, Dörfer, Sozialstruktur

• Thomas Spohn: „Kyrkstäder“ (Kirchorte) im Norden Schwedens

2019 - 31. Tagung in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern): „Häuslingshaus, Heuerlingshaus, Leibzucht, Landarbeiterhaus und Mietshäuser auf dem Lande“

Tagungsort: Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend und Alte Synagoge Hagenow, 29.-31. März, 96 Teilnehmende

Organisation: Corinna Laub und Henry Gawlik, Wolfgang Dörfler

Exkursion: Dörfer und Gutsanlagen im Landkreis Ludwigslust-Parchim (Gammelin mit Armenkaten und Schmiede, Gutsdorf Dreilützow, Gutsdörfer Goldenitz und Warlitz mit Tagelöhnerhäusern)

Aus dem Aufruf: Wohnen zur Miete und Wohnen im eigenen Haus sind rechtlich und ökonomisch sowie auch mental grundsätzliche Alternativen und ein zentrales Merkmal der Abgrenzung der wenig besitzenden bäuerlichen Schichten von den besitzlosen ländlichen Unterschichten. Wir wollen bei unserer 31. Tagung erkunden, wie diese Unterschiede in verschiedenen Regionen aussehen und wie sie sich im Baubestand selbst nachweisen lassen. Im Zentrum werden die Häuslinge auch Heuerlinge oder Einlieger genannt stehen. Um die ständige aufreihende Nennung der Ausdrücke zu vermeiden wird im Weiteren von nur jeweils einer der Begriffe verwendet, wobei die alternativen Begriffe mitzudenken sind.

In jenen Teilen Nordwestdeutschlands, in denen das Meierrecht in Verbindung mit dem Anerbenrecht vorherrschte, bildete sich in der frühen Neuzeit das hierarchische Verhältnis Bauer - Häusling aus.

  • Wie ist das Häuslingsverhältnis wirtschaftsrechtlich zu beschreiben; was unterschied Häuslinge von Knechten und Hirten einerseits und kleinbäuerlichen Kötnern, Kötern oder Köttern andrerseits?

  • Seit wann gibt es Häuslingshäuser und wo haben die Häuslinge gewohnt, als es diese Häuser noch nicht gab?

  • Gab es das typische Häuslingshaus und wenn ja, worin unterschied es sich von der Kate, dem Kotten oder dem Neubauernhaus, also Häusern im Besitz der kleinbäuerlichen Nachbarn?

  • Haftet der Begriff Häuslingshaus an einem Gebäude, weil es zu diesem Zweck erbaut wurde oder sollte jedes Haus so benannt werden, das irgendwann einmal in dieser Weise genutzt wurde?

  • Überwiegen bei den Leibzuchten (Altenteilerhäusern) und Heuerlingshäusern die Gemeinsamkeiten, war es also eigentlich das gleiche Haus, das einmal so und einmal anders genutzt wurde, oder gibt auch zwischen diesen Häusern noch erkennbare Unterschiede?

  • Was wurde aus den Heuerlingshäusern, als diese Form der abhängigen Existenz endete?

Wie sah es in den an Westfalen und Nordwest-Niedersachsen als Kerngebiet des Heuerlingswesens angrenzenden Regionen aus? Gab es hier Formen, die den als Teilautonomie zu beschreibenden Lebensverhältnissen von Heuerlingen entsprachen und wie wohnten solche Bevölkerungsgruppen?

  • Wie waren z. B. in den nördlich und nordöstlich angrenzenden, von der Gutswirtschaft dominierten Regionen Nordwestdeutschlands – in Schleswig-Holstein und Mecklenburg – die Landarbeiterfamilien untergebracht?

  • Wie lebte z. B. die besitzlose ländliche Unterschicht in den südlich angrenzenden Regionen mit Realerbteilung?

Vorträge:

•  Hans-Jürgen Rach: Ein Schäferkaten in der Mark Brandenburg

• Thomas Hauptmann: Landarbeiterhäuser des fürstlichen Gutsdorfes Liebenberg (Oberhavel)

•  Josef-Georg Pollmann: Ausgedingeverträge im Warthebruch bis 1945

• Olaf Both: Einlieger und Witwen im Fürstentum Ratzeburg – vom Backhaus zum Arbeiterkaten

• Wolfgang Dörfler: Häuslinge und Häuslingshäuser – woher sie kamen, wer sie waren, was aus ihnen wurde

•  Michael Schimek: Erd- und Sodenhütten der Moorkolonisten

• Heinz Riepshoff: Häuslingshäuser, Heuerlings-häuser, Leutehäuser, Arbeiterhäuser – der Versuch einer Begriffsklärung für die früheren Grafschaften Hoya und Diepholz

• Ralf Weber: Die Bauerntöchter haben es einen fühlen lassen, dass man nichts ist… - Über die Häuslinge im heutigen Landkreis Diepholz

• Fred Kaspar: Die Spuren dörflicher Unterschichten (vorwiegend aus dem Fürstbistum Paderborn/Weserbergland)

• Lutz Volmer: Heuerlings- und Erbpächterhäuser in der ehemaligen Grafschaft Ravensburg – östliches Westfalen

• Heinrich Stiewe: Zieglerhäuser – Zum Hausbau von Wanderarbeitern und „Kleinen Leuten“ in Lippe

• Dick Zweers: Rijke oogst van een armenhoef (Best, NL)

• Thomas Wenderoth: Von Bauern und Mietern – Soziale Situation und Wohnformen der eigentumslosen Schicht in Franken in der frühen Neuzeit

2018 - 30. Tagung in Gersten (Niedersachsen, Landkreis Emsland): „Fenster und andere Öffnungen des Hauses“

Tagungsort: Gebäude der Ems-Vechte-Stiftung in Gersten, 16.-18. März, 85 Teilnehmende

Organisation: Andrea und Dietrich Maschmeyer

Exkursion: Höfe in Gersten, evangelisch-reformierte Kirche in Lengerich (Landkreis Emsland), Stadt Fürstenau und Stift Börstel bei Berge (beide Landkreis Osnabrück), Hof Meyer zu Menslage

Aus dem Aufruf: Physikalisch gesehen, sind Fenster Elemente von Wänden, die durchlässig sind für sichtbare elektromagnetische Strahlung – Licht -, aber was sagt das schon? Vor allem sind sie von allen nicht statisch konstruktiven Bauteilen des Hauses die funktionell wichtigsten. Vergleichsweise grazil und durch das Glas ziemlich fragil, dazu oft noch starker Bewitterung ausgesetzt, erreichten sie häufig nicht die Lebensdauer des Gebäudes, so dass sie häufig ausgetauscht werden mussten und dabei technisch und modisch an den Zeitgeschmack angepasst werden konnten. Nach dem Richtfest – der Fertigstellung des konstruktiven Gerüstes – gab es ja auch das „Fensterbier“, bei dem die mit dem Einsetzen der Fenster erreichte Bewohnbarkeit feierlich begangen wurde. Leider sind im Gegensatz zu den meist soliden Richtfestinschriften wohl die meisten materiellen Zeugen dieser zweiten Feste – die Bierscheiben – zerstört, in der Regel mitsamt den Fenstern, in die sie eingebaut waren. Monographische Beschäftigungen mit dem Themenkomplex „Fenster“ sind noch im Gegensatz zur Bedeutung diese Bauteils immer noch selten; Fenster werden oft nur im Kontext von umfassenderen Bauuntersuchungen behandelt.. Das ist uns Anlaß genug, in unserem Kreise einmal zusammenzutragen, was wir über Fenster in Volks- und Profanarchitektur in Nordwestdeutschland eigentlich wissen.

Um einmal einige Gesichtspunkte zu benennen, die mir einer Bearbeitung wert erscheinen und als Gerüst für eine Strukturierung des Programmes dienen könnten:

  • „Windzuge oder Ruten: Lichtöffnung, Luftöffnung oder beides?“ Zur Entwicklung von Funktion, Gestaltung und Technik im Lauf der Zeit

  • „Zum Durchgucken, zum Belichten oder zu beidem?“. Unterschiedliche Fenster und

Fensteranordnungen für unterschiedliche Zwecke

  • „Die Augen des Hauses“: Fenster als gestalterische und modische Elemente in der

Innen- und Außenarchitektur

  • „Scherben bringen Glück“: Glastechnologie und Fensterkonstruktion.

  • „Schotten dicht“: Klappen, Schlagläden, Rollläden

  • „Das Fenster als Kunstwerk“: Brandglas, Farbglas, Ätzglas, Sprossenbilder....

  • „Archäologie des Fensters“: Spurenlese am Bau nach Fenstern und Fensterformen,

die aus einem Gebäude längst verschwunden sind.

Vorträge:

• Maschmeyer, Dietrich: Einführender Überblick zu Fenstern aus dem Münster- und Emsland

• Kotte, Jens: Die „N-Nummern“ an Torbögen von Bauernhäusern im nördlichen Landkreis Osnabrück

• Barthold, Peter: Befunde zu romanischen und gotischen Holzfensterrahmen in mittelalterlichen Kirchen Westfalens

• Quiström, Linda: Windows and light in medieval buildings in the regions of Uppland and Gotland, Sweden

• Stiewe, Heinrich: Die Entwicklung des Fensters im Fachwerkbau Westfalens

• Kagel, Nils: Funktionale und soziale Aspekte des Fensters im ländlichen Profanbau Schleswig-Holsteins

• Pollmann, Josef G.: Häuser und Fenster in Dörfern im Warthebruch (Polen)

• Riepshoff, Heinz: Fenster in Siebenbürgen

• Goran, Michael: Fensterbierscheiben in der Sammlung des Emslandmuseums in Lingen

• Dörfler, Wolfgang: Hölzerne Luken und Fenster mit bleigefassten Scheiben an Häusern im Landkreis Rotenburg (Wümme)

• Wübbenhorst, Dirk: Fensteröffnungen an Bauernhäusern im Wendland

• Jengember, Carlo: Totentüren und Totenfenster in Europa, insbesondere in Flandern

• Schulte, Christian: Türen und Fenster an den Wohngebäuden der Familie Harkort in Hagen-Haspe (Westfalen) von 1681-86, 1705 und 1756-57

• Pressler, Erhard: Fenster an einem Backstein-Bürgerhaus von 1617 in Oldenburg

• Turner, Hans: „Die Luke“ an Scheunen in der Nordheide und im Landkreis Rotenburg/Wümme

Tagungsbericht aus: Holznagel 6|2018, S. 16-23 (Wolfgang Dörfler, Heinrich Stiewe)

Vom 16. bis 18. März tagte der Arbeitskreis für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland in Gersten (Landkreis Emsland), die Exkursion am Sonntag führte in das Burgstädtchen Fürstenau (Landkreis Osnabrück) und nach Stift Börstel, einem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster bei Berge (Landkreis Osnabrück). Eingeladen hatten Dr. Dietrich Maschmeyer, Gründungmitglied unserer Vereinigung und früherer Vorsitzender der IgB, und die von ihm geleitete Ems-Vechte-Stiftung, die sich die Erhaltung des ländlichen gebauten Kulturerbes im Emsland auf die Fahnen geschrieben hat. Dietrich Maschmeyer hatte das Tagungsthema „Fenster und andere Öffnungen des Hauses“ vorgeschlagen und gemeinsam mit seiner Frau Andrea auch die Organisation auf die Schultern genommen, hervorzuheben ist ein gut funktionierender Bus-Shuttle-Service vom Bahnhof zu den Hotels der Umgebung und zum Tagungsort. Getagt wurde in den von der Ems-Vechte-Stiftung restaurierten Bauernhäusern Banke in Gersten und Feye in Gersten-Drope, die auch ausgiebig besichtigt und diskutiert werden konnten. Die Restaurierung der beiden Gebäude ist als „extensiv“ zu bezeichnen, sie erfolgte unter maximaler Erhaltung historischer Originalsubstanz. Das Ergebnis ist sehr authentisch und denkmalpflegerisch auf hohem Niveau, auf baulichen „Luxus“ wie Heizung oder Wärmedämmung im Wirtschaftsteil wurde dagegen verzichtet. Das rächte sich insbesondere am Vortragstag (17. März): Bei eisigem Ostwind und Außentemperaturen nahe am Gefrierpunkt war der Aufenthalt in dem historisch eindrucksvollen, aber praktisch unbeheizten Haus Feye für alle Tagungsteilnehmer eine Herausforderung. Erst als nach der Mittagspause eine mobile Zelt-Heizungsanlage herbeigeschafft war, ließ das große Frieren etwas nach.

In die von ihm ins Leben gerufene Ems-Vechte-Stiftung hat Dietrich Maschmeyer u. a. die beiden genannten Höfe in Gersten mit ihren Nebengebäuden eingebracht; die Stiftung unterhält eine eigene Restaurierungswerkstatt für Fachwerkbauten und historische Möbel. So begann die Tagung am Freitag mit der Besichtigung des Hofes Banke in Gersten (Untergerstener Str. 4) mit einem restaurierten Zweiständer-Haupthaus des 18. Jahrhunderts und mehreren Nebengebäuden, u.a. einem Schweinestall, einer Querdurchfahrtsscheune und einem nach dreißigjähriger Einlagerung am Originalstandort wiederaufgebauten Backhaus. Anschließend begaben wir uns auf einen geführten Ortsrundgang in Gersten mit einer Kaffeetafel im Backhaus des gastfreundlichen Heimatvereins Gersten.

Im Haupthaus des Hofes Feye in Gersten-Drope fanden anschließend die Grußworte und das Abendessen statt. Bei der Hausbesichtigung beeindruckte die sorgfältige Restaurierung insbesondere von Flett und Kammerfach mit originalen Schablonenmalereien aus dem 19. Jahrhundert. Imponierend war auch die umfangreiche Truhensammlung der Stiftung auf dem Dachboden des Hauses. Das Haupthaus des Hofes Feye, ein Dreiständer-Hallenhaus von 1815, war Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Doppelheuerhaus mit zwei Querdielen umgebaut worden. Unter der Leitung von Dietrich Maschmeyer wurde das Gebäude konsequent rekonstruiert und in seinen Urzustand von 1815 zurückgebaut – unter Verwendung zahlreicher originaler Gefügeteile, die im Gebäude in Zweitverwendung erhalten geblieben waren. Auch die bauzeitlichen Schiebefenster und die monochrome Rotfassung der Außenwände wurden nach Befund wiederhergestellt. Zuvor musste der Untergrund des Gebäudes, das auf einer Torflinse erbaut war und schwere Setzungsschäden aufwies, in aufwendigen Tiefbauarbeiten ausgetauscht und stabilisiert werden.

Der Abendvortrag von Bernd Robben gab einen Überblick zum Thema „Heuerlinge und Heuerhäuser“, zu dem der Referent zwei erfolgreiche Bücher herausgegeben hat und die Webseite „www.heuerleute.de“ im Internet betreibt. Es kam dabei der Wunsch auf, das Thema Heuer- oder Häuslinghäuser (oder allgemeiner: Mietshäuser auf dem Lande) auf einer unserer nächsten Tagungen zu vertiefen.

Das Vortragsprogramm am Sonnabend war mit 15 Referaten gut bestückt, aber von der bereits geschilderten Kälte überschattet. Aber Hausforscher/innen sind hart im Nehmen – eingepackt in Jacken, Mäntel, Schals und Decken lauschten wir tapfer den Vorträgen zum Tagungsthema „Fenster“.

Dietrich Maschmeyer gab einen einführenden Überblick mit zahlreichen, von ihm selbst aufgemessenen und dokumentierten Beispielen aus dem Münster- und Emsland. Rätselhaft blieben die „N-Nummern“ an Torbögen von Bauernhäusern im nördlichen Landkreis Osnabrück, die Jens Kotte etwas abweichend vom Tagungsthema vorstellte. Um Hausnummern handelt es sich eindeutig nicht, diskutiert wurde, ob sie mit der steuerlichen oder brandversicherungsmäßigen Klassifizierung von Haupt- und Nebengebäuden oder der Rekrutierung von Soldaten zusammenhängen. Hier ist weitere, quellenbasierte Forschung notwendig. Peter Barthold stellte hochinteressante Befunde der westfälischen Denkmalpflege zu romanischen und gotischen Holzfensterrahmen vor, die eingemauert in mittelalterlichen Kirchen bis heute überlebt haben. Einen skandinavischen Blick auf Fenster aus ethnologischer Sicht bot der englischsprachige Vortrag „Windows and light in medieval buildings in the regions of Uppland and Gotland, Sweden“ von Linda Quiström von der Universität Uppsala (Schweden). Weitere Überblicke über die Vielfalt historischer Fensterformen im städtischen und ländlichen Fachwerkbau schlossen sich an. Heinrich Stiewe zeigte die Entwicklung des Fensters im Fachwerkbau Westfalens von schlichten Licht- und Lüftungsluken über hölzerne Kreuzstockfenster bis zu großflächigen bleiverglasten Fensteranlagen in den Küchen von neuzeitlichen Bürgerhäusern, ländlichen Gasthöfen und Bauernhäusern – die schließlich seit dem 18. Jahrhundert von englischen Schiebefenstern und später von den heute bekannten Drehflügelfenstern mit Holz- oder Eisensprossen abgelöst wurden. Nils Kagel konnte „funktionale und soziale Aspekte des Fensters im ländlichen Profanbau Schleswig-Holsteins“ mit aufschlussreichen baulichen Befunden und archivalischen Quellenbelegen untermauern. Eine Spurensuche von Josef Pollmann zu älteren Häusern und Fenstern in Dörfern im Warthebruch im heutigen Polen schloss sich an. Einen weiteren Ausflug in die Weiten Europas bot Heinz Riepshoff mit seinem Vortrag zu Fenstern in Siebenbürgen, der auf eigenen Forschungen vor Ort im Sommer 2012 beruhte.

Nach der Mittagspause stellte Michael Goran am Beispiel der Sammlung des Emslandmuseums in Lingen den „alten Brauch der Fensterbierscheiben im Emsland“ vor. Dabei handelt es sich bemalte Fensterscheiben mit Wappen, ländlichen Motiven und Sinnsprüchen, die zum traditionellen „Fensterbier“ zur Einweihung eines Hauses von Nachbarn und Freunden geschenkt wurden. Wolfgang Dörfler stellte „hölzerne Luken und Fenster mit bleigefassten Scheiben an Häusern im Landkreis Rotenburg (Wümme)“ vor, die die vorgestellten Beispiele weiter ergänzten. Dirk Wübbenhorst gab einen informativen Überblick zu „Fensteröffnungen an Bauernhäusern im Wendland“.

Nach der Kaffeepause folgte Carlo Jengember (Belgien) mit einem volkskundlich interessanten Beitrag zu „Totentüren und Totenfenstern in Europa, insbesondere in Flandern“, der manche „Brand- oder Brauttür“ am Kammerfachgiebel von norddeutschen Bauernhäusern in anderem Licht erscheinen ließ – die lebhafte Diskussion zu diesem Thema sollte möglichst mit konkreten Quellenbelegen fortgesetzt werden. Der Restaurator Christian Schulte stellte seinen behutsamen Umgang mit den historischen Türen und vertikalen Schiebefenstern an den herausragenden Wohngebäuden der frühindustriellen Unternehmerfamilie Harkort in Hagen-Haspe (Westfalen) von 1681-86, 1705 und 1756-57 vor. Erhard Pressler präsentierte mit den historischen Fenstern am „Degode-Haus“, einem Backstein-Bürgerhaus von 1617 in Oldenburg, einen weiteren interessanten Einzelfall. Der lange Vortragstag schloss mit einem Beitrag von Hans Turner über „die Luke“ an Scheunen in der Nordheide und im Landkreis Rotenburg/Wümme, der zu den ländlichen Wurzeln der Fenster zurückführte.

Kurzfassungen aller Referate waren als 12-seitige, bebilderte Broschüre den Tagungsunterlagen beigegeben, darunter auch Kurztexte zu drei leider ausgefallenen Vorträgen (Stefan Krabath: Das Fenster im archäologischen Befund – Ein Überblick; Ulrich von Damaros: Ein einzigartiger Neufund von Fensterbierscheiben des späten 16. Jahrhunderts aus Schloss Arensburg, Landkreis Schaumburg; Bartold Köster: Fenster in der Denkmalpflege). Eine 36-seitige, reich bebilderte Broschüre aus der Feder Dietrich Maschmeyers zu seinem Einführungsreferat und zu den auf der Exkursion am Sonntag besuchten Objekten in der Stadt Fürstenau ergänzten die Tagungsunterlagen.

Die Exkursion am Sonntag führte zunächst in die gotische, evangelisch-reformierte Kirche von Lengerich (Landkreis Emsland) mit bedeutenden Wandmalereien und älterer Ausstattung. Anschließend wurde das fürstbischöflich-osnabrückische Burgstädtchen Fürstenau (Landkreis Osnabrück) besucht. Bei strahlendem Wetter und weiterhin eisigem Ostwind besichtigten wir die Stadt mit dem „Hohen Tor“, einem erhaltenen Torturm, einigen interessanten Fachwerkbauten des 16. und 17. Jahrhunderts und die große, bis heute von Wällen, Bastionen und breiten Wassergräben umgebene Burganlage der Osnabrücker Fürstbischöfe. Interessante Einblicke bot ein Nebengebäude der Burg mit früheren Gefängniszellen, das gerade umgebaut wurde. Ungewöhnlich war auch der Umbau eines Flügels der Kernburg zu einer katholischen Kirche im 19. Jahrhundert (erweitert 1924), der frühere Bergfried mit seiner mächtigen, kupfergedeckten Zwiebelhaube dient heute als Glockenturm. Der schlichte, korbbogig gewölbte Innenraum der Kirche beeindruckt mit barocken Altären und Ausstattungsstücken aus aufgelösten Klöstern in Rheine und Malgarten.

Nach dem Mittagessen wurde das frühere Zisterzienserinnenkloster und heutige freiweltliche Damenstift Stift Börstel bei Berge (Landkreis Osnabrück) besucht, bis heute in für Zisterzienserklöster typischer Waldeinsamkeit. Die frühgotische Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert mit Unterkirche und Nonnenempore wurde ebenso besichtigt wie zwei erhaltene, teilweise noch mittelalterliche Klausurgebäude mit dem Kreuzgang, von denen der barock überformte Westflügel aktuell behutsam umgebaut wird. Unter den erhaltenen Wirtschaftsgebäuden des Klosters erregten ein Speicher aus großen Granitquadern und ein „Bauhaus“, ein Vierständerbau von 1690, die besondere Aufmerksamkeit der Hausforscher. Ein abschließender Höhepunkt war ein Pachthof des Klosters mit dem im 19. Jahrhundert translozierten Haupthaus des Hofes Meyer zu Menslage im Artland. Der große, aus sehr kräftigen Eichenhölzern in höchster Qualität gezimmerte Zweiständerbau aus dem 16. Jahrhundert, der bereits von Gerhard Eitzen untersucht und kürzlich von Erhard Pressler 1567-70 (d) dendrodatiert werden konnte, fand das besondere Interesse der Haus- und Gefügeforscher, konnte aber wegen seiner abgelegenen Lage nicht mehr von allen Exkursionsteilnehmern erreicht werden.

Abgesehen von der außergewöhnlichen Kälte, die allen Teilnehmer/innen in Erinnerung bleiben wird, gab die Gerstener Tagung einen interessanten und detailreichen Überblick zum Forschungsstand zu Fenstern im ländlichen und städtischen Hausbau in Nordwestdeutschland – mit interessanten Ausblicken auf den mittelalterlichen Sakralbau und auf den Hausbau in europäischen Nachbarländern wie Schweden, Polen und Rumänien. Eine Publikation der Vorträge in einem Tagungsband wäre überaus wünschenswert.

Wolfgang Dörfler und Heinrich Stiewe

2017 - 29. Tagung in Stade (Niedersachsen): „Historische Hausforschung im Archiv. Archivalische Quellen und die Forschung am Gebäude“

 

Tagungsort: Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Stade

Organisation: Robert Gahde, Wolfgang Dörfler

Exkursion: Freilichtmuseum auf der Insel und Stadtführung in Stade, Busexkursion in das Alte Land und zur Hofanlage des Vereins Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf e.V. (Führende u.a. Robert Gahde, Wolfgang Dörfler, Sebastian Möllers, Beate-Christine Fiedler, Christina Deggim, Andreas Schäfer)

Aus dem Aufruf: Archive können einen wichtigen Beitrag zur historischen Hausforschung leisten. Sie verwahren eine große Vielzahl und Vielfalt historischer Unterlagen, die aus der öffentlichen Verwaltung oder aus Privatbesitz stammen und als (bau-)geschichtliche Quellen befragt und ausgewertet werden können. Akten der Hochbauämter, der Domänenverwaltung, der Schul- und Kirchenverwaltung bieten Informationen über öffentliche Baumaßnahmen. Akten der staatlichen und kommunalen Bauaufsicht, der Katasterämter, der Feuerpolizei und Feuerversicherung gewähren Einblicke in privates Bauen. Historische Bauzeichnungen, Bilder, Karten und Pläne bieten oft aufschlussreiche visuelle Einsichten in historische Bauzustände. Baurechnungen und Rechnungsbelege dokumentieren die wirtschaftliche Seite des Bauens. Nachlässe von Architekten, Handwerkern oder Baufirmen beleuchten die Perspektive der planenden und bauausführenden Akteure und können eine Grundlage für biografische Forschungen bilden.

Bei den Vorträgen soll zum einen der Beitrag der archivalischen Quellen zur Hausforschung thematisiert werden: Was gibt es für archivalische Quellentypen oder Archivbestände, die für die Hausforschung von Bedeutung sind und worin liegt deren spezifischer Quellenwert? Welche bauhistorisch relevanten Spezialarchive und Sammlungen gibt es? Welche interessanten Archivbestände verdienen eine größere Beachtung? Welche Quellenkritik ist bei der Auswertung archivalischer Quellen notwendig? Zum anderen soll auch nach dem Verhältnis von der baugeschichtlichen Forschung am historischen Gebäude und der Archivforschung in ihrer gegenseitigen Ergänzung gefragt werden. Stimmen Archivunterlagen (z.B. Baupläne) und gebaute Realität überein, gibt es Ergänzungen oder Widersprüche und Ungereimtheiten und wie sind diese zu erklären?

Vorträge:

• Püttmann, Klaus: Hauslandschaften der südlichen Niederelbe

• Dörfler, Wolfgang: Hausforschung und Archiv – ein Vorwort

• Gahde, Robert: Hausforschung im Archiv –Einführung ins Tagungsthema

• Bardelle, Thomas: Gebäude auf Papier. Bauakten als Quelle für die ländliche Hausforschung am Beispiel des Landkreises Stade

• Großmann, Ulrich G.: Stade brennt! Gedruckte Quellen – Verlauf und Folgen eines Stadtbrands

• Fricke-Hellberg, Anne-Kathrin: Die Wissenschaftlichen Sammlungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und ihre Bedeutung für die Forschung

• Barthold, Peter: Grundakten als historische Quellen der Bauforschung

• Schönrock, Felix: Steuerliche Besichtigungs- und Taxationsprotokolle als Quelle für die Entwicklung bürgerlichen Wohnhausbaus: Das Beispiel Greifswald

• Schimek, Michael: Brandkassenakten als bauhistorische Quellen

• Prinzhorn, Carolin Sophie: „…was vnd wo fele geldes Ich zu Ossenbrugge In meynen Hofe verbowet habe“ – Das Bautagebuch des Rudolf von Dincklage aus den Jahren 1597 bis 1603

• Kotte, Jens: Glasiert oder unglasiert? Archivalische Methoden zur Rekonstruktion historischer Dachdeckungen in und um Altona am Beispiel der Kirche zu Nienstedten

• Fritzsche, Wolfgang: Vom barocken Wohnsitz zum modernen Gefängnis. Der Südflügel des Unteren Schlosses in Siegen

• Schäfer, Bernadeta: Siedlungsformen und Holzbauten im Kamienna-Tal in Polen im 19. Jahrhundert

• Kagel, Nils: Ein Projekt harrt seiner Vollendung – Die Bauernhäuser der Landschaft Stapelholm und das Lühningsche Archiv in Schleswig

• Adam, Bernd: Pläne ländlicher Bauten im Nachlass des kurhannoverschen Landbaumeisters Christian Ludwig Ziegler (1748–1818)

• Spohn, Thomas: Landlust? Die amtlichen Chroniken der Kirchspiele im Altkreis Lübbecke (Westfalen) und ihre Aussagen zu Haus und Hof, Hoffen und Leiden auf dem Lande von 1818 bis 1880

• Dörfler, Wolfgang: Quellen zur ländlichen Hausforschung mit Beispielen aus dem Landkreis Rotenburg (Wümme)

Tagungsbericht: NLA-Magazin 2018, S 36-37 (Robert Gahde)

Der Arbeitskreis für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland hielt vom 24. bis 26. März 2017 seine 29. Jahrestagung in Stade ab. Die Tagung, die jährlich an wechselnden Orten stattfindet, wurde vom Niedersächsischen Landesarchiv – Standort Stade in Kooperation mit dem Landschaftsverband Stade zum Thema „Historische Hausforschung im Archiv. Archivalische Quellen und die Forschung am Gebäude“ veranstaltet. 120 Bauhistoriker, Denkmalpfleger, Architekten, Museumswissenschaftler und Interessierte aus ganz Deutschland und aus der Schweiz trafen sich zum fachlichen Austausch.

Mit einer Führung durch das Stader Freilichtmuseum auf der Insel begann die Tagung am Freitag. Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, die reizvolle Stader Altstadt kennenzulernen, wo die historischen Gebäude bereits reichen Stoff zur Diskussion boten. Am Abend stellte Dr. Klaus Püttmann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in einem Abendvortrag die „Hauslandschaften der südlichen Niederelbe“ vor.

Am Sonnabend fand die Fachtagung, die von Robert Gahde (NLA Stade) und Dr. Wolfgang Dörfler organisiert wurde, im Neubau des Niedersächsischen Landesarchivs in Stade statt, wo Archivdirektorin Dr. Gudrun Fiedler und Landrat Michael Roesberg die Gäste begrüßten. In 15 Vorträgen wurden zahlreiche Aspekte der archivalischen Forschungsmethode und der Quellenkunde vorgestellt und diskutiert. Robert Gahde stellte im Einführungsvortrag heraus, dass die archivalische Forschung eine Kernmethode der historischen Hausforschung ist. Optimale Ergebnisse zur Baugeschichte lassen sich durch die Kombination der Bauuntersuchung am Gebäude mit Forschungen im Archiv gewinnen.

Der Vortragsreigen startete mit regionalen Themen: Dr. Thomas Bardelle (NLA Stade) stellte die Bauakten des Landkreises Stade vor, die 2015 vom Landesarchiv übernommen wurden. Weiter ging es mit gedruckten Veröffentlichungen zum Stader Stadtbrand von 1659 und zu anderen Stadtbränden. Mehrere Vorträge behandelten besondere Quellenarten wie Grundakten und Brandkassenakten oder ein Bautagebuch aus der Renaissancezeit. Die wissenschaftlichen Sammlungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege wurden ebenso vorgestellt wie ein Nachlassbestand mit niedersächsischen Bauzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert im Stadtarchiv Peine. Dr. Wolfgang Dörfler referierte schließlich über die Archivquellen zur ländlichen Hausforschung im Landkreis Rotenburg (Wümme).

Am Sonntag führte eine Busexkursion die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Alte Land, wo verschiedene Baudenkmale besichtigt wurden, und zu dem Museumsdorf „Bäuerliches Hauswesen“ in Bliedersdorf. Voller neuer Eindrücke aus der Denkmallandschaft des Landkreises Stade konnten die Teilnehmer den Heimweg antreten.

Robert Gahde

2016 - 28. Tagung in Bielefeld (Westfalen): „Musealisierte (Bauern-)Häuser. Bausubstanz, Ideologien, Gründungspersönlichkeiten“

Tagungsort: BauernhausMuseum und Ravensberger Spinnerei (Bielefeld), 18. bis 20. März, 114 Teilnehmende

Organisation: Lutz Volmer, Thomas Spohn

Exkursion: Besuch von Häusern in Bielefeld-Heepen, Bad Oeynhausen, Löhne, Bielefeld-Deppendorf, Bielefeld-Senne, Halle/Westfalen (Führende u. a. Lutz Volmer, Peter Barthold, Fred Kaspar, Thomas Spohn)

Publikation: Lutz Volmer (Hrsg.): Musealisierte Häuser. Bausubstanz, Ideologien, Gründungspersönlichkeiten (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland 129). Münster 2018.

Aus dem Aufruf: „Historische ländliche und städtische Häuser sind heute vielfach in ihrem Bestand bedroht. Als relativ substanzschonende Lösung kommt eine Musealisierung in Frage, die Nutzung als Museum oder Heimathaus. Dabei werden die Häuser oft in einer Weise hergerichtet, die auf frühere, „alte“ Zustände Bezug nimmt.

Die Tagung möchte sich folgenden Fragen widmen:

  • Welche Häuser wurden in welcher Zeit der Musealisierung für Wert erachtet? Waren es Häuser mit bestimmten, vielleicht als „typisch“ angesehenen Merkmalen? Spielte besonders alte oder besonders gut erhaltene Substanz eine Rolle? Gibt es hier zeitlichen Wandel oder Kontinuitäten?

  • Die bauliche Substanz kann detailliert analysiert werden: Welchen Zustand zeigen die Häuser? Wurde vor der Musealisierung eingehende Bauforschung betrieben? Gibt es einen bestimmten Zeitschnitt? Wurden Kompromisse zwischen bauhistorisch ermittelten Zeitschnitten oder Erwartungen von Besuchern oder Wissenschaftlern geschlossen? Wie sehen diese Kompromisse aus?

  • Haben die verschiedenen politischen Ideologien des 20. Jahrhunderts baulich sichtbaren Einfluss gehabt? Welche Rolle spielen Heimatschutzbewegung, NS-Zeit und die Heimatbewegung der Nachkriegszeit? Wie verhalten sich die Vorstellungen und Initiativen der öffentlich-rechtlichen Kulturinstitute und Museumsträger gegenüber den Vorstellungen und Initiativen von Heimatfreunden, häufig Laien, „vor Ort“?

  • Wer waren eigentlich die Akteure im Einzelnen? Große Namen wie Heinrich Ottenjann (Cloppenburg), Josef Schepers (Detmold) oder Gerhard Eitzen (Kommern) sind bekannt, aber kann man näheres über ihre Vorstellungen und Ansprüche sagen? Wie sieht es mit der Dokumentation der historischen Gebäude aus? Wie gut sind die verschiedenen Zustände der heute musealisierten Häuser dokumentiert?

  • Wie wurde mit einem Gebäude umgegangen? Wurde es nach historischen Befunden wiederhergestellt oder idealtypisch rekonstruiert? Wurden vielleicht sogar Teile von mehreren Gebäuden zu einem Museumsgebäude zusammengefügt?

  • Kann man etwas über die Beweggründe der Akteure sagen, nach denen sie die Häuser museal gestalteten?

  • Haben die musealisierten Häuser Rückwirkungen auf zumeist „landschaftsgebundenes“ Bauen außerhalb der Musealisierung gehabt? Gibt es Unterschiede zwischen den Qualitätsansprüchen von Akteuren etwa aus Volkskunde und Archäologie?“

Vorträge:

• Robben, Bernd: Heuerlinge und Heuerhäuser

• Maschmeyer, Dietrich und Schmid-Engbrodt, Anja: Untersuchungen in den Abbruchdörfern zwischen Mönchengladbach und Erkelenz – erste Ergebnisse

• Volmer, Lutz: Musealisierte Bauernhäuser: Einführung in das Tagungsthema

• Dörfler, Wolfgang: Das Freilichtmuseum als „Museum in uns“. Einleitung ins Thema „musealisierte Bauernhäuser“

• Kaspar, Fred: Freilichtmuseum und Denkmalpflege. Partner oder Rivalen?

• Dörfler, Wolfgang: Jan Bohls und die Gründung des ersten Freilichtmuseums im Elbe-Weser-Dreieck
• Sobik, Carsten: Gebäudeensembles in Freilichtmuseen

• Kagel, Nils: „(…) das wertvolle Altertum der eigenen Heimat zu erhalten“. Museumsgebäude als Ausdruck nationaler Identität in Schleswig-Holstein

• Turner, Hans-Joachim: Das Heidemuseum in Wilsede

• Möllers, Sebastian und Gahde, Robert: Das Altländer Haus im Freilichtmuseum auf der Insel in Stade

• Volmer, Lutz: Die Gebäude des Bauernhausmuseums Bielefeld: Vom Haus Meier zu Ummeln 1917 bis zur Sanierung der Windmühle aus Hille 2014

• Reiff, Ulrich: Das Montanhistorische Museumsdorf in Clausthal-Zellerfeld: das Oberharzer Bergwerksmuseum von 1892 mit seinem Schaubergwerk und Freigelände von 1929-1941

• Schimek, Michael: Zwischen Ideologie und Wissenschaft – Frühe Gebäudetranslozierungen im Museumsdorf Cloppenburg

• Vogeding, Ralf: Abbau, Dokumentation und Wiederaufbau von vier Gebäuden im Kreismuseum Syke als Ausdruck der musealen Vorstellungen der jeweiligen Zeit.

• Spohn, Thomas: Freilichtmuseumsprojekte im Amt Rahden (Kreis Minden-Lübbecke). Der Museumshof Rahden und das Konzept des ‚Urkundshofes‘ – 1939 bis 1966

• Brohm, Ulrich: Konzepte und Methoden im Wandel – Translozierung und Nutzung historischer Gebäude im Museumsdorf Hösseringen

• Wiedemann, Konrad: Umsetzung des Parum Schulze Hauses aus dem Rundlingsdorf Süthen auf das Gelände des Rundlings-Museums in Lübeln

• Plöckinger-Walenta, Veronika: Kein Bauen ohne Ende! Konzeption, Aufbau und Weiterentwicklung des Weinviertler Museumsdorfs Niedersulz / Niederösterreich

• Riepshoff, Heinz: Häuslingshaus, Bauernhaus, Spargelmuseum. Die steile Karriere eines musealen Gebäudes

• Meier, Michael: Das Haus der Schuhmacherfamilie Kallmeyer in Bad Münder – Geschichte, Restaurierung, museale Nutzung

•  Sandmann, Laurenz: Das Dezentrale Stadtmuseum in Warendorf. Konservieren, restaurieren, rekonstruieren – Museumshäuser und Denkmalpflege

• Heinecke, Anja: Sicherung, Sanierung, Musealisierung der „Bäckerstraße 14“ in der Stadt Brandenburg an der Havel

• Barthold, Peter: Geschichtsquelle oder Vereinsheim? Müllerwohnhäuser im Mühlenkreis Minden-Lübbecke

• Röver, Manfred: Von der Schnapsidee zum regionalen Kulturzentrum

•  Maschmeyer, Dietrich: Vom Hof Ahlers (Klein Haddorf) zum Hof Feye (Gersten): Meine Erfahrungen beim Umgang mit Häusern und ihrer Geschichte

Exkursionsbericht: Eine museale Tour

Die Exkursion am Sonntag führte zu markanten Objekten in Ostwestfalen und durch Bielefeld und drei der fünf Landkreise der Region.

Hof Meier zu Heepen, Bielefeld-Heepen, Heeper Str. 364, 33719 Bielefeld

Der Sattelmeyerhof wurde 1036 in einer Urkunde zum ersten Mal erwähnt. Damit gilt der Hof als Keimzelle des heutigen Bielefelder Ortsteils Heepen. Er gehörte, obwohl eigentlich in Ravensberg gelegen, bis Ende des 18. Jahrhunderts zur Grafschaft Lippe. Der Gebäudekomplex ist ein Beispiel für den in dieser Gegend relativ seltenen Typ des Gräftenhofes. Derartige Hofanlagen sind vor allem aus dem Münsterland bekannt.

Auf der Anlage – ursprünglich vollständig von Gräften umgeben – lebten früher bis zu 60 Personen, darunter zahlreiche Heuerlinge, die unter anderem Spinner, Maurer und Tischler waren. Heute sind auf der Hofanlage noch fünf Gebäude erhalten: Das Herrenhaus aus dem Jahr 1851, der Schafstall und das Dreschhaus von 1842, teilweise in Massivbauweise. Der Kornspeicher aus dem Jahre 1808 und das Altenteil von 1813/14 sind ebenfalls gut erhalten.

Das ursprüngliche Haupthaus des Hofes – seit dem Bau des Herrenhauses Wirtschaftsgebäude – und das Torhaus wurden 1945 zerstört. Sie waren Fachwerkhäuser der Zeit um 1800, ähnlich wie Speicher und Leibzucht. Die Leibzucht ist ein dreischiffiges Flettdielenhaus des frühen 19. Jahrhunderts. Es ist wie in der Region üblich, aus kräftigen Hölzern errichtet worden. Der Torgiebel mit dem Torbogen wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Ziegelstein erneuert, dabei ging der Torbogen verloren. Die Hölzer konnten kürzlich auf 1813/1814 dendrodatiert werden. Bis dahin war die ungefähre Bauzeit lediglich aus archivalischen Quellen bekannt: Eine Bauanfrage beim Amt Heepen datiert von Ende 1812. Ursprünglich scheint das Gebäude nicht direkt an der Gräfte gestanden haben, die Insel war offenbar größer. Ähnliche Leibzuchtshäuser gehörten in Ravensberg zu sehr vielen Meierhöfen.

Der Speicher ist für die Region Ravensberg beispiellos groß. Zwar sind von einigen anderen Meierhöfen ähnliche Speicher bekannt (z.B. Brackmeier in Brake), die jedoch maximal zwei Drittel der Ausdehnung erreichen. An der Lutter, unweit des Hofes, liegt die zugehörige Wassermühle, deren Fachwerkteil von 1800 stammt.

Vom Korn zum Brot - Die Rürupsmühle in Löhne-Wittel, Unter der Burg 43, 32584 Löhne

Die heutige Anlage im Tal des Mittelbachs wird von dem 1980 gegründeten Verein „Vom Korn zum Brot“ unterhalten. Hauptziel des Vereins ist die Vorführung aller Arbeiten, die notwendig sind, um von der Getreideernte bis zum fertigen Brot zu gelangen, wie sie über tausende von Jahren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts üblich waren, also ohne moderne Maschinen.

Drei der auf dem Mühlenhof stehenden Gebäude sind Baudenkmale. Sie wurden in eigener Regie restauriert bzw. wieder aufgebaut. Die Rürupsmühle ist eine Hofmühle, die in archivalischen Quellen erstmals 1587 nachgewiesen ist. Das vorhandene Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und entstand in zwei Bauabschnitten. Der Verein übernahm die halb verfallene Mühle und hat sie bis zur Betriebsfertigkeit restauriert. Die Wiedereinweihung fand im März 1984 statt. Seit dieser Zeit arbeitet sie wieder regelmäßig. Im Mühlengebäude befindet sich auch eine Müllerwohnung und eine Gesellenkammer. Die Rürupsmühle ist heute die einzige Mühle im Kreis Herford, die noch durch ein Wasserrad angetrieben wird. Der Wasserlauf des Mittelbachs bot sich für den Standort einer Mühle an, jedoch nur, wenn sich das Wasser stauen ließ. Die Anlage eines Teichs hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass dadurch auch eine Fischhaltung möglich wurde – und damit auch eine Bereicherung des Speisezettels. Der Teich war ursprünglich größer als heute und die Wassermenge reichte für einen ganzen Arbeitstag. Der Wasservorrat des heutigen Teiches reicht für einen Mahlbetrieb von ca. drei bis vier Stunden. Es findet sich ein oberschlächtiges Wasserrad auf der Rückseite des Gebäudes: Erst durch den späteren Bau der Wohnräume wurde das ursprünglich außenliegende Wasserrad zu einem innenliegenden. Durch diese Baumaßnahme verringerte sich im Winter die Eisbildung und die Mühle konnte länger betrieben werden.

Auf der heutigen Anlage der Wassermühle befinden sich noch weitere Bauten, die jedoch teilweise in jüngerer Zeit für das museale Projekt transloziert wurden. Oberhalb des Mühlenteichs steht heute ein Zweiständer-Hallenhaus und vermittelt den Eindruck, als hätte es schon immer dort gestanden – als Zentrum der Hofanlage. Das Heuerlingshaus Störmer stammt jedoch aus Hiddenhausen-Oetinghausen vom Hof Störmer (ehemals Oetinghausen Nr. 2), wurde 1983 abgebaut und 1985 am Mühlenteich wieder aufgebaut. Ursprünglich wurde das Haus 1797 für Hermann Henrich Störmer, geb. Storck (die Schreibweisen Stork oder Storck werden parallel verwendet), und seine Ehefrau Anne Margarete Ilsabein Störmer (Heirat 1791), durch Zimmermeister Niestrat errichtet. Es ist ein Zweiständerbau mit Durchgangsdiele, nach der Translozierung wieder ausgestattet mit offenem Herdfeuer ohne Schornstein. Seit der Translozierung auf das Vereinsgelände dient es mehreren Zwecken: Für die Demonstration historischer Arbeitsweisen dient es zur Erntelagerung und zum Dreschen, die Ställe werden von Ziegen und Hühnern genutzt - und jetzt werden hier auch die Besucher bewirtet.

Das Fachwerkgebäude neben dem Heuerlingshaus war vorher ein Speicher in Bennien bei Spenge. Wegen zahlreicher Veränderungen und Ergänzungen beim Wiederaufbau ist nur wenig originale Substanz erhalten. Seit der Errichtung 1997/98 dient es als Aufenthaltsgebäude für Besuchergruppen und zur Bewirtung.

Das Backhaus stammt vom Hof Wiebesiek in Vlotho-Valdorf an der Grenze zu Lippe. Es wurde im Jahre 1841 gebaut. Der Abbau erfolgte 1981, der Wiederaufbau bis 1984. Auch der Backofen wurde wieder aufgebaut. Der Ofen hat ein flaches Gewölbe mit zwei Rauchöffnungen zu einem Rauchkanal über dem Gewölbe, der vorne über dem Ofenmund in einen Rauchfang endet. Von da aus wird der Rauch durch einen danebenstehenden Schornstein abgeleitet.

Der Fachwerk-Holzschuppen neben dem Backhaus wird für die Lagerung des Brennholzes eingesetzt. Für die Trocknung des Holzes dient die besondere Ausführung der Ausfachung, die eine gute Durchlüftung bietet. Sie besteht in der oberen Reihe aus Eichenstaken und in den unteren beiden Reihen aus auf Lücke gesetzten Backsteinen. Es ist kein Original, sondern eine Nachschöpfung.

Museumshof Bad Oeynhausen, Schützenstraße 35a

Der Museumshof ist ein kleines Freilichtmuseum und wurde 1969 als „Heimatmuseum“ eröffnet. Vorbilder für das Museum waren das Freilichtmuseum Bad Zwischenahn, das Bauernhausmuseum Bielefeld und der damals gerade entstehende Museumshof Rahden. Ursprünglich war nur an ein Einzelgebäude, das ab 1965 dorthin überführte Haupthaus, gedacht. Der Ausbau zu einer Hofanlage wurde 1974 durch die Schenkung eines Heuerlingshauses ausgelöst. Seitdem wuchs das Heimatmuseum nach und nach zu einem vollständigen Hofensemble. Heute repräsentiert der Museumshof ein bäuerliches Anwesen, eine für den Minden-Ravensberger Bereich typische Hofanlage aus der vorindustriellen Zeit des 19. Jahrhunderts. Bis 1993 kamen fünf Gebäude hierher. Hinzu kam am nahen Osterbach des Siekertals eine Wassermühle mit zwei Mühlenteichen.

Das Haupthaus ist das frühere Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Hofes von Aschen, Hüllhorst Nr. 48. Es wurde 1739 erbaut und 1965 transloziert. Der Vierständerbau mit reichem Schmuckgiebel zeigt den Bautyp des niederdeutschen Hallenhauses: rechts und links der Deele wurde das Vieh aufgestallt, dahinter lagen die Gesindekammern. Im hinteren Bereich der Deele befindet sich an zentraler Stelle das offene Herdfeuer. Rechts der Herdstelle liegt die sogenannte Waschlucht mit dem Spülstein, links die Esslucht mit dem Esstisch für die gemeinsamen Mahlzeiten. Die Räume hinter dem Herdfeuer, dem Kammerfach, dienten der Familie des Bauern als Wohnräume. Gezeigt wird hier die typische Einrichtung dieses Wohn- und Wirtschaftsgebäudes vor der Industrialisierung. Das Himmelbett in der Schlafstube stammt vom Hof Aschen selber, die übrigen Möbel und Gerätschaften stammen von anderen Höfen der Umgebung.

Das Heuerlingshaus vom Hof Taake (heute Meier) aus Exter-Solterwisch wurde 1654 erbaut und 1975 transloziert. Das Heuerlingshaus war das Wohnhaus der für den Bauern tätigen Heuerlingsfamilie. In dem Heuerlingshaus vom Hof Taake wohnten zuletzt um 1880/90 zwei Heuerlingsfamilien gleichzeitig. Gezeigt werden hier die Gerätschaften für die Zigarrendreherei als typischem Nebenerwerbszweig der hiesigen Bevölkerung sowie die Gerätschaften der ehemaligen Korbflechterei Nacke in Rehme. Im kleinen Stallteil sind Gerätschaften für die Imkerei ausgestellt.

Die Längsdurchfahrtscheune vom Hof Meinert in Oberlübbe-Elfte wurde 1803 erbaut, 1988 abgebaut und eingelagert und 1989-1990 wieder aufgebaut. Die Scheune diente zur Lagerung von Heu, Stroh und ungedroschenem Getreide, als Aufbewahrungsort für die landwirtschaftlichen Geräte sowie als Arbeitsraum, z.B. zum Dreschen von Getreide. Heute zeigt die Scheune neben landwirtschaftlichen Geräten und Fahrzeugen die Werkstätten eines Landzimmermannes und eines Stellmachers.

Der Speicher vom Hof Harig in Melle-Dielingdorf wurde 1792 erbaut und 1992 transloziert. Der Wiederaufbau auf dem Museumshof erfolgte 1992-1993. Er diente zur Aufbewahrung von Ernteerträgen, Nahrungsvorräten für den Winter und der kostbaren Leinenvorräte. Aus Brandschutzgründen wurde ein Speicher häufig in einem Mindestabstand zum Haupthaus errichtet. In Kriegszeiten wurden hier unter Umständen Notwohnungen eingebaut, wie zum Beispiel in diesem Speicher auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Speicher ist zur Zeit nur während der Kunsthandwerkermärkte zugänglich. In Planung ist hier eine Ausstellung zur Vorratswirtschaft.

Das Backhaus mit „Abtritt“ vom Hof Möhlmann (jetzt Busse) auf dem Poll in Dehme wurde um 1800 erbaut und 1980 transloziert und auf dem Museumshof wieder aufgebaut. Im Backhaus wurde ungefähr alle 4 Wochen Brot gebacken. In der übrigen Zeit diente das kleine Nebengebäude als Hofwerkstatt. Heute wird im Backhaus zu speziellen Anlässen wieder gebacken, so z.B. alle zwei Jahre beim Ernte- und Backfest am 1. Sonntag im September. Im Backhaus sind ein aus einem Baumstamm gearbeiteter großer Backtrog sowie die übrigen, für das Brotbacken notwendigen Gerätschaften zu besichtigen. Außerdem steht im Backhaus eine Werkbank, die die Zweitnutzung des Gebäudes als Werkstatt andeuten soll.

Die Hofwassermühle am Osterbach vom Hof Große Bartling, Nr. 1 in Enger-Herringhausen wurde 1772 erbaut, 1977 abgebaut und eingelagert und 1984 auf dem Museumshof wieder errichtet. Es handelt sich um eine mittelschlächtige Wassermühle mit einem Schrotgang.

Der Seekrug in Bielefeld-Schildesche, Loheide 22A, 33609 Bielefeld

Am Rand des 1982 angelegten Obersees wurde einige Jahre später das Haus Holtgreve aus Schildesche aufgebaut. Es handelt sich um einen zweischiffigen Dreiständerbau mit Durchgangsdiele, der am Torbogen auf 1616 datiert ist. Die Inschrift nennt den Zimmermeister Berend Speckmann. Zum Ensemble gehört auch der ebenfalls translozierte Speicher von 1820 aus dem Mindener Land.

Am Rande des Obersees liegt auch der Hofdrubbel Jerrendorf, der 1996 kurzzeitig als alternativer Standort für das Bauernhausmuseum Bielefeld in Gespräch war. Hier steht der Hof Meier zu Jerrendorf, früher Brake Nr. 2 mit einer Scheune von 1811 (Zimmermeister Kastrup), einer Leibzucht von 1746 (Zimmermeister Johann Hermann Welhöner) und einem Speicher von 1820. Auf dem Hof Höner zu Jerrendorf ist ein Haupthaus von 1826 erhalten (Zimmermeister Friedrich Wilhelm Welhöner).

Der Begriff „Drubbel“ für eine historische Siedlungsform ist vor allem in Westfalen gebräuchlich. Ein Drubbel umfasst zwischen 3 und 15 Gehöfte mit Nebengebäuden in lockerer Anordnung und bildet oft den Siedlungskern einer Streusiedlung. Drubbel sind meistens aus Einzel- und Doppelhofsiedlungen durch Hofteilung und Zusiedlung entstanden. Im Ravensberger Land gehörte zumindest in Teilen der Gemeinde Rödinghausen zu einem Drubbel jeweils eine Bauerschaftsglocke. Neben dem Haupt-Verbreitungsgebiet westlich der Weser findet man Drubbel auch in anderen Bundesländern, z.B. in Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, teilweise jedoch unter anderem Namen. Eine andere gebräuchliche Bezeichnung für diese ländliche Siedlungsform ist Weiler.

Die Obere Deppendorfer Mühle in Bielefeld-Deppendorf, Schloßstr. 79, 33739 Bielefeld

Die bisher älteste urkundliche Erwähnung einer Mühle an diesem Standort stammt aus dem Jahr 1535. Vermutlich ist der Standort aber schon so alt wie der einstige Hof Deppendorf, der erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt ist. Im 17. Jahrhundert wurde der Hof zu einem adeligen Gut umgewandelt und befand sich im Besitz der Beamtenfamilie von Meinders. Elisabeth Rohde, verwitwete Meinders, ließ 1697 die obere Mühle erbauen – wohl mit zwei Wasserrädern und Getreide-Mahlgängen. Das Gebäude ist weitgehend bis heute in seiner ursprünglichen Bausubstanz erhalten.

Um 1775 ging die Mühle in den Besitz des Müllers Gerhard Henrich Baumeister über, der neben der Mühle ein ansehnliches Gehöft bauen ließ. Das Haupthaus ist am Torbogen auf 1835 datiert. Es handelt sich bei der Mühle um ein zweischiffiges Längsdielenhaus, das sich durch seine massiven Außenwände von der Bebauung der Umgebung abhebt.

1982 wurde die Mühle an die Stadt Bielefeld verkauft und blieb dann fast zwanzig Jahre lang ihrem Schicksal überlassen. Nachdem sogar ein Abriss erwogen wurde, erwarb Hans Georg Baumeister die Mühle und ließ sie unter Denkmalschutz stellen und denkmalgerecht sanieren. Wegen diverser Probleme mit der Umsetzung der europäischen Wasserrahmrichtlinie (EU-WRRL, s.a. Holznagel 2/16) ist der Mühlenstandort gefährdet.

Haus Brune in Halle/ Westfalen, Bahnhofstraße 10

Bauherr des 1677/78 errichteten Hauses dürfte ein Mitglied aus der Kaufmanns-Familie Thor Specken (auch Speckmann) gewesen sein, verheiratet mit einer Tochter aus der Familie Brune, ansässig in dem Nachbarhaus am Kirchplatz. Von 1700 bis 1775 diente das Haus für zwei Generationen Pfarrern der Kirchengemeinde Halle als Pfarrhaus. Von 1820 bis 1908 war auch die Kreisverwaltung Halle in dem großen Haus untergebracht.

Dendrochronologisch ist der bemerkenswerte Bau nunmehr 1677/78 datiert. Das Gebäude wurde aus ungewöhnlich guten und stark dimensionierten Eichenbalken verzimmert. Der Baukörper ist geschossig verzimmert. Trotz der geringen Länge erhielt das Haus eine für größere bürgerliche Haushalte typische Raumstruktur aus vorderer Wirtschaftsdiele von vier Gefachen, einem hausbreiten Küchen-Luchtbereich von drei Gefachen mit erhaltener bauzeitlicher Feuerstelle und einem unterkellertem zweigeschossigem Saalkammerbereich von ebenfalls drei Gefachen.

Da das Haus mit der enormen Dielenhöhe von etwa 6,60 m verzimmert wurde, konnten beide Geschosse ausreichende Höhen von etwa 3,20 m erhalten. Das nördliche Seitenschiff erhielt eine lichte Breite von 3,20 m und war als Wirtschaftsbereich eingerichtet. Das südliche Seitenschiff erhielt hingegen eine lichte Breite von 4 m, da es in beiden Geschossen Wohnzwecken dienen sollte.

In unmittelbarer Nähe zum Haus Brune befindet sich der Kirchplatz, ein fast geschlossener Ring von Fachwerkhäusern rund um die St. Johanniskirche. Die spitz-ovale Form gab dem Kirchplatz seinen volkstümlichen Namen: Haller Herz.

Museumsschule Senne, Bielefeld-Senne

Zu sehen gibt es dort ein in situ befindliches Schulhaus einer Nebenschule der Gemeinde Senne I. Es besteht aus einem Ziegelbau von 1895. 2002 wurde daneben das Gebäude der Nebenschule Oldentrup-Hillegossen, eine weitere Bauerschaftsschule aus dem Landkreis Bielefeld, aufgebaut - ein Querdielenhaus von 1832.

Lutz Volmer und Bernd Froehlich



2015 - 27. Tagung in Aurich (Niedersachsen): „Nah am Wasser, auf schwankendem Grund – Der Bauplatz und sein Haus“

Tagungsort: Ostfriesische Landschaft, Seminarhotel Aurich, 13.-15. März 2015, 111 Teilnehmende

Organisation: Nina Hennig (Ostfriesische Landschaft), Michael Schimek (Museumsdorf Cloppenburg – Niedersächsisches Freilichtmuseum)

Exkursion: Rorichum, ev.-ref. Kirche; Jemgumgaste, Steinhaus; Steinhaus, Bunderhee; Bunde, Wiemannshof; Bunde, ev.-ref. Kirche (St. Martini); Weener, Norderstraße 56

Führende: Volker Gläntzer, Nils Juister, Erhard Pressler, Hermann Schiefer

Tagungsberichte: AHF-Mitteilungen 86, 2015, S. 7-9 (Wolfgang Dörfler, Heinrich Stiewe); Der Holznagel 2015, Heft 2, S. 11-27, 28-37 (Bernd Fröhlich)

Publikation: Nina Hennig / Michael Schimek (Hrsg.): Nah am Wasser, auf schwankendem Grund. Der Bauplatz und sein Haus (Kataloge und Schriften des Museumsdorfs Cloppenburg Bd. 32). Aurich 2016.

Aus dem Aufruf: Der Bauplatz eines Gebäudes, seine Lage und deren naturräumlichen Voraussetzungen nehmen in vielfältiger Weise Einfluss auf das Bauen, seien es die vor Ort zur Verfügung (oder eben nicht) stehenden Baustoffe, die Solidität des Baugrunds oder die regionalen Witterungsverhältnisse. Diese Faktoren bestimmen auch die Wahl des Bauplatzes im Landschafts- und Siedlungsgefüge oder bedingen nicht-bauliche Maßnahmen, wie Windschutz-Hecken oder Schatten spendende Bäume.

Konstruktiv äußern sich die Anpassungen an den Bauplatz in der Auswahl der Baumaterialien, der Dimensionierung von Hölzern in Fach- und Dachwerken sowie der Mauerwerksstärken, aber auch in der Kubatur, Geschosshöhen, Giebelformen oder Dachneigungen von Gebäuden. Und auch die Anordnung, Ausstattung und Nutzung von Räumen, nicht zuletzt, was die Fenstertechnik, Heiz- und Dämmvorrichtungen anbelangt, sind Reaktionen auf diese Voraussetzungen. Dabei sind sowohl individuelle als auch landschaftsspezifische Lösungen zu beschreiben, die auch soziale Aspekte mit berücksichtigen können, wenn es z.B. darum geht, wem der „schlechte“ Baugrund zugewiesen wird und mit welchen Konstruktionen darauf reagiert werden kann.

So „naturgegeben“ die Fragestellung der Tagung auf den ersten Blick erscheint, handelt es sich trotzdem bei jedem Bauvorgang um eine Interpretation der natürlichen Vor-Ort-Gegebenheiten durch die bauenden Menschen. Gehen diese Interpretationen fehl, lassen sie sich am Gebäude als Bauschaden bzw. dessen Reparatur ablesen.

Vorträge:

• Bärenfänger, Rolf: Geschichte und moderne Aufgaben der Ostfriesischen Landschaft

• Hennig, Nina / Schimek, Michael: Nah am Wasser, auf schwankendem Grund, in Wind und Wetter – Der Bauplatz und sein Haus: Eine Einführung

• Kegler, Jan / König, Sonja: Hohe Hügel, fester Grund! Wurten als Grundlage der dauerhaften Besiedlung der Küsten. Ein Blick auf die Archäologie

• Zimmermann, Haio: Heraus aus den Löchern! Der Übergang vom Pfosten- zum Ständerbau

• Böttcher, Detlef: Auswirkungen auf Gründungen infolge klimatischer und anthropogener Veränderungen

• Adam, Bernd: Pfahlgründungen im 18. Jahrhundert – Verbreitung und technische Grenzen eines Fundamentierungssystems für wenig tragfähigen Baugrund

• Turner, Hans-Joachim: Bauen im Moor

• Riesner, Wolfgang / Brüggemann, Volker: Hof Tacke in Rahden-Preussisch Ströhen

• van Tussenbroek, Gabri: Wie schwer ist das Haus? Wechselwirkungen zwischen Untergrund und Hausbau im Amsterdam des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit

• Spohn, Thomas: „Wer ... eine Grube gräbt, ...“ – Über Bergschäden

• Gläntzer, Volker: Sehr nah am Wasser, für sehr schwankenden Grund – Das Schwimmdachhaus in Ostfriesland

• Scheer, Christine: Warum dicht am Wasser bauen? Vor- und Nachteile von Bauplätzen in der Wilstermarsch

• Köster, Berthold: Und schwimmen können sie auch. Bohlenspeicher in Schleswig-Holstein

• Looft-Gaude, Ulrike: Die Flut im Haus. Die wechselvolle Geschichte des Hallighauses im Freilichtmuseum Molfsee

• Kagel, Nils: Von „Wassernot“ und „Hausworthenregulativen“ – Staatliche Maßnahmen zur Verbesserung des Bauwesens und des Hochwasserschutzes in den lüneburgischen Marschgebieten an der Unterelbe im 18. und 19. Jahrhundert

• Wiedemann, Konrad: Bauen in Rundlingsdörfern am Rande von Geest und Moor und auf Warften im Wendland

• Plöckinger-Walenta, Veronika: Der „Weinviertler Hakenhof“ und seine Verbreitung. Eine Sonderform des Zwerchhofes aufgrund von feuchtem Baugrund?

• Pollmann, Josef Georg: Krieschter Holländer (1722) – Albrechtsbruch (1741) – Studzionka (seit 1945 Polen). Ein „Holländerdorf“ an der Warthe im Warthebruch, Neumark/Brandenburg

• Schmid-Engbrodt, Anja: Doppeldach und Wintertür – vom Bauen im Oberharz

• Vorwig, Carsten: Wind und Regen entgegen. Bauliche Anpassungen an landschaftsspezifische Witterungsbedingungen in der Westeifel

• Furrer, Benno: Der Berg hat's gegeben – der Berg hat's genommen. Schwieriges Bauen in den Alpen

• Schiefer, Hermann: Schon immer nur in Backstein? Fachwerkbauten und Lehmhäuser in Ostfriesland

Tagungsbericht (AHF-Mitteilungen 86, 2015, S. 7-9).

Bauplatz und Baugrund als wesentliche Voraussetzungen für den Bau eines Hauses waren das Thema der 27. Jahrestagung des Arbeitskreises für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland, die vom 13. bis 15. März 2015 in Aurich/Ostfriesland stattfand. Dieser regionale Arbeitskreis, der sich seit mittlerweile über 25 Jahren jährlich trifft, ist eine Kooperation zwischen der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) und dem Arbeitskreis für Hausforschung (AHF) und zugleich dessen nordwestdeutsche Regionalgruppe. Dieser Arbeitskreis bietet ein bewährtes Forum für alle an der Hausforschung Interessierten, seien es Hauptamtliche aus Museen, Denkmalpflegeämtern und Planungsbüros oder ehrenamtlich Forschende aus den Reihen der IGB. Als Partner und Gastgeber vor Ort fungierten die Ostfriesische Landschaft und das Museumsdorf Cloppenburg; die vorzügliche Organisation lag in den Händen von Nina Hennig (Aurich) und Michael Schimek (Cloppenburg). Die Tagung begann mit einem informativen Stadtrundgang in Aurich am Nachmittag des 13. März; abends wurden die 118 Teilnehmer von Stefan Haar (Bundesvorsitzender IGB), Uwe Meiners (Museumsdorf Cloppenburg) und Rolf Bärenfänger (Ostfriesische Landschaft) begrüßt. Letzterer stellte anschließend die Ostfriesische Landschaft vor, die sich in ihrer über 500-jährigen Geschichte von einer spätmittelalterlichen Ständevertretung zum modernen Träger für regionale Kulturarbeit und Wissenschaft entwickelt hat.

Der folgende Samstag (14. März) bot ein gewohnt dicht gepacktes Vortragsprogramm mit 21 regionalen Beiträgen, das der Aufnahmefähigkeit der Zuhörer einiges abverlangte – dennoch gab es anregende Diskussionen. Die Vorträge gliederten sich in die drei Sektionen „Auf schwankendem Grund: Grund und Gründung“, „Bauen am Wasser“ und „Blick nach anderswo“. Mit einer großen Zeitdisziplin auf Seiten der Referierenden (Vortragsdauer: 20 Minuten) und einer straffen Moderation gelang es, das umfangreiche Programm zu bewältigen. Nina Hennig und Michael Schimek gaben eine komprimierte Einführung in die Tagungsregion Ostfriesland mit ihren Hauptlandschaftsformen Marsch, Moor und Geest und verdeutlichten an Beispielen die im Tagungsthema so poetisch formulierte Fragestellung nach dem Baugrund, aber auch nach naturräumlichen und klimatischen Einflussfaktoren auf den Hausbau. Jan Kegler und Sonja König (Aurich) berichteten aus archäologischer Sicht über die Entwicklung von „Grund und Gründung“ in den Küstengebieten der Nordsee. Hier begann man in den Marschen seit der älteren Eisenzeit mit der Anlage von Wurten (künstlichen Siedlungshügeln, die zum Teil bis heute besiedelt sind) zum Schutz gegen Überflutungen infolge des Meeresspiegelanstiegs. Die Anfänge des heutigen Küstenschutzes mit geschlossenen Deichlinien liegen dagegen im Spätmittelalter und waren von Anfang an eine Gemeinschaftsleistung. Haio Zimmermann (Wilhelmshaven) gab einen Überblick über den Prozess der Ablösung des Pfostenbaus (mit eingegrabenen Pfosten) durch den Ständerbau (auf Fundamenten) – der schon in der Ur- und Frühgeschichte nachweisbar ist, sich überwiegend im Spätmittelalter vollzog, in ländlichen Gebieten aber auch bis weit in die Neuzeit andauern konnte. Seine Berichte zur Standdauer solcher Pfähle in feuchten versus trockenen Untergründen waren ebenso interessant wie seine Angaben zur Einführung des Backsteins (um 1150). Dieser wurde im „Klosterformat“ produziert, um ihn gemeinsam mit dem schon zuvor verwendeten rheinischen Tuffstein verwenden zu können und an dessen gängiges Format anzupassen.

Detlef Böttcher (Loppersum) berichtete über die zunehmenden Fundamentbreiten mittelalterlicher Kirchen; aus wandbreiten Fundamentstreifen wurden breitere Fundamente bei schmaleren Wänden. Nach 1300 wurden die Kirchenbauten kleiner; Setzungen traten vielfach bereits beim Bau auf und wurden beim Mauern ausgeglichen. Nachdem um 1700 die Deichlinien geschlossen waren kam es zur Grundwasserabsenkung und zum Einsturz zahlreicher Kirchengewölbe. Da die Absenkung bis heute andauert, resultieren daraus weiter massive Probleme für die alten Steinbauten. Das weitmaschige Holzgerüst des Gulfhauses interpretierte er angesichts der Gründungsprobleme als „fehlereliminierendes Bauelement“.
Die im 13. Jahrhundert entwickelten Pfahlgründungen unter massiven Steinbauten mit eingerammten sog. Spickpfählen und Schwellenrosten behandelte Bernd Adam (Garbsen). Die „ingenieurmäßige Pfahlgründungen“ war seit dem 16. Jahrhunderts die übliche Konstruktion bei Großbauten im feuchten, wenig tragfähigem Untergrund. Mit eindrucksvollen historischen Abbildungen aus archivalischer Forschung stellte Adam vielfältige Beispiele für diese Gründungen vor.

Gabri van Tussenbroek (Amsterdam) ergänzte das Thema um Beispiele von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Pfahlgründungen aus Amsterdam, wo seit dem 17. Jahrhundert mit beweglich gegründeten sog. Schwimmkellern auf Schwankungen des Grundwasserspiegels reagiert werden konnte. Voraussetzung dafür war, dass aus gemahlenem Tuff und Kalk ein unter Wasser abbindender hydraulischer Mörtel entwickelt worden war. Auch ließ sich das Gewicht der Häuser durch Verwendung von Kiefernholzbalken an Stelle der älteren Eichenholzbalken entscheidend vermindern.

Der Vortrag von Ulrike Looft-Gaude (Freilichtmuseum Kiel-Molfsee) zeigte am Beispiel der Hallighäuser Nordfrieslands die Notwendigkeit der Anpassung an wechselnde Klimaverhältnisse sowie Meeresspiegelanstieg und Küstensenkung (u.a. durch ausgedehnten Salztorfabbau). Diese Häuser wurden trotz ihrer Lage auf der Warft überflutet. Sie stellte den „Katschur“ als Reaktion auf solche Wassereinbrüche dar. Die schmalen Häuser besitzen ein dachtragendes inneres Ständergerüst, extrem schmale Kübbungen und massive Außenwände. Beim Verlust der Außenwände durch Wasserdruck konnte das innere Hausgerüst der Sturmflut noch länger standhalten. Als Mythos der Heimatgeschichte entlarvte Volker Gläntzer (Hannover) dagegen Berichte über das sog. Schwimmdachhaus der ostfriesischen Inseln – ein schwimmfähiges Dach, das sich bei Sturmflut vom Haus lösen und als eine Art Rettungsfloß benutzt werden konnte, ist im Baubefund nicht nachweisbar und technisch kaum denkbar.

Ein Beispiel für einen schwimmenden Speicher zeigte schließlich Berthold Köster (Landesamt für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein). Er stellte die 13 verbliebenen, zwischen 1525 und 1630 erbauten Bohlenspeicher Schleswig-Holsteins vor. Im Jahr 1872 habe eine Flutwelle einen dieser Speicher angehoben und landeinwärts transportiert, wobei erstaunlicherweise der neue Standort akzeptiert worden sei und er heute noch dort stehen würde.

Nils Kagel (Freilichtmuseum am Kiekeberg) stellte die Bauentwicklung in den hochwasser-gefährdeten lüneburgischen Elbmarschen dar. Die erste Siedlungswelle benutzte die Uferwälle und einzelne Geestinseln. Wurten sind dagegen im 18. Jahrhundert und davor noch nicht angelegt worden. In einer zweiten Phase wurden die Deichkronen als Hausbauplätze genutzt und schließlich im 19. Jahrhundert doch Wurten angelegt. Eine Besonderheit sind die staatlich vorgeschriebenen Fundamenterhöhungen auf 3,5 m über mittleren Wasserstand, die von spezialisierten Zimmereien mit Hilfe von hölzernen Bauschrauben durchgeführt wurden; ein Satz Bauschrauben bestand aus 30 Stück.

Weitere Beiträge erläuterten regionale Besonderheiten des Bauens im Moor (Hans Turner, Riekenbostel), am Übergang vom Moor zur Geest im Hannoverschen Wendland (Konrad Wiedemann, Waddewitz) oder in den holsteinischen Elbmarschen (Christine Scheer, Wewelsfleth). Wolfgang Riesner (Petershagen) berichtete von Bauschäden eines Hofes von 1802 in Preußisch-Ströhen (Rahden, Kreis Minden-Lübbecke), die durch Torflinsen im Baugrund verursacht waren. Kurz vor Abschluss der aufwendigen Sanierung brannte der vorgestellte Hof 2014 ab und wurde 2015 als größenreduzierte Rekonstruktion wiederaufgebaut.

Einen unerwartet aktuellen Bezug erhielt das Tagungsthema schließlich mit dem Beitrag von Thomas Spohn (Dortmund), der sich kritisch mit Bergschäden im Ruhrgebiet auseinandersetzte. Seit dem Übergang vom Stollenbergbau zum flächigen Tiefbau um 1850 kam es zu großflächigen Geländeabsenkungen, die weite Teile des Ruhrgebietes in ein tiefliegendes „Poldergebiet“ verwandelten, das nur durch den ständigen Betrieb von Pumpwerken an Emscher und Lippe trocken gehalten werden kann (die sog. Ewigkeitslasten des ehemaligen Bergbaus). Auch verursachen die Bergsenkungen bis heute schwere Gebäudeschäden, die immer wieder zu Abrissen führen oder mit großem technischen Aufwand behoben werden müssen.

Vielfältige Ausblicke in benachbarte und entferntere Regionen bereicherten die Tagung um eindrucksvolle Beispiele für das Bauen unter schwierigen topografischen und klimatischen Bedingungen etwa in der wind- und regenreichen Westeifel (Carsten Vorwig, Kommern), im Oberharz (Anja Schmid-Engbrodt, Pulheim) oder im Warthebruch (Josef Pollmann, Arnsberg). Aus Niederösterreich berichtete Veronika Plöckinger-Walenta (Weinviertler Museumsdorf Niedersulz) über den „Weinviertler Hakenhof“, den sie als Sonderform des weit verbreiteten Zwerchhofes bei entsprechend feuchtem Baugrund zu interpretieren vorschlug. Extrem waren die Bau- und Siedlungsverhältnisse in den Alpen, über die Benno Furrer (Schweizerische Bauernhausforschung, Zug) berichtete. Hier musste die Bevölkerung nicht nur Hochwasser, sondern auch Murenabgänge (Schlammlawinen), Schneelawinen oder Felsstürze gewärtigen – Katastrophen, auf die man vorbeugend und mit viel Erfahrungswissen durch eine geschickte Wahl des Bauplatzes an geschützten Stellen und die Anlage von Streusiedlungen reagierte.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Hermann Schiefer (Rastede), der uns auf die Exkursion vorbereiten sollte. Sein Thema waren die in dieser typischen „Backsteinregion“ nachweisbaren Reste einer älteren Lehmbauweise und Befunde der Nutzung von hölzernen Brettereinlagen zur Stabilisierung von Ziegelwänden.

Insgesamt zeigte die Tagung, welche anregenden und weiterführenden Perspektiven für die Hausforschung die Fragestellung nach dem Einfluss von Bauplatz und Baugrund auf den historischen (und aktuellen) Hausbau eröffnen kann – insbesondere, wenn man auch topographische und klimatische Faktoren in den Blick nimmt. Damit kann die historische Hausforschung einen wichtigen Beitrag zur Umweltgeschichte leisten – auch und gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um den globalen Klimawandel und seine Folgen.
Eine Busexkursion durch das Rheiderland am Sonntag (15. März) rundete die gelungene Veranstaltung ab. Sie führte am Beispiel dieser Region im Westen Ostfrieslands, die bis heute vom Dollarteinbruch (Landverluste durch Sturmfluten ab 1362) geprägt ist, die besonderen Bedingungen des Bauens und Wohnens in einer unter dem Meeresspiegel gelegenen, von modernen Deichen geschützten und künstlich entwässerten Marschlandschaft vor Augen. Besichtigt wurden zwei mittelalterliche Kirchen und deren dendrochronologisch datierte Dachwerke in Rorichum und Bunde, ein frühes, 1705 datiertes bäuerliches Steinhaus in Jemgumgaste (mit jüngerer Gulfscheune von 1910) und der bekannte Häuptlingssitz in Bunderhee mit seinem spätmittelalterlichen Steinhaus (14. Jh.) als Hauptbau einer früheren Turmburg. Den Abschluss bildete ein Rundgang durch die Kleinstadt Weener mit interessanten Bürgerhäusern des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Wolfgang Dörfler und Heinrich Stiewe

2014 - 26. Tagung in Glückstadt (Landkreis Steinburg, Schleswig-Holstein): „Das will ich auch! Mode und Imitation im nachbarschaftlichen Bauwesen“

Tagungsort: Gaststätte Poppenhus (Glückstadt), 14. bis 16. März, 112 Teilnehmende

Organisation: Christine Scheer in Kooperation mit Wolfgang Rüther (Freilichtmuseum Molfsee – Landesmuseum für Volkskunde in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf)

Exkursion: Wilstermarsch (Christine Scheer)

Tagungsbericht: AHF-Mitteilungen 84, 2014, S. 5-11 (Wolfgang Dörfler, Heinrich Stiewe)

Aus dem Aufruf: Am Ende der Diskussion der letzten Jahrestagung mit dem Thema „Hausbau in Etappen – Bauphasen des Niederdeutschen Hallenhauses“ im Mittelpunkt stand die Frage im Raum, inwieweit Um-, An- und Neubauten auch in historischer Perspektive und auch auf dem Lande ganz wesentlich durch Moden ausgelöst wurden. Und vielleicht auch nicht weniger durch das dringende, mitunter wohl gar von Neid getriebene Bedürfnis, dem Nachbarn nicht nachzustehen. Folgerichtig soll auf der diesjährigen Tagung das Thema „Mode und Imitation im nachbarschaftlichen Bauwesen“ im Mittelpunkt des samstäglichen Vortragsprogramms stehen.

Vorträge:

• Boldt, Christian: Zur Geschichte Glückstadts

• Scheer, Christine: Einführung in die Tagungsregion. Landschaft-Haustypen-Zeitschichten

• Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim: Zur Agrargeschichte der Kremper- und der Wilstermarsch

• Wrobel, Sigrid: Beschaffung von Bauholz in waldloser Gegend

• Spohn, Thomas: „Una ex his“ (sinngemäß: Eine ist die Deine) – die kurze Blüte einer mahnenden Darstellung an Sauerländer Wirtschaftsgiebeln

• Riepshoff, Heinz: „Einen Fischschwanz möchte ich auch haben!“ Eine Mode im Amt Hoya zu Beginn des 17. Jahrhunderts

• Rüther, Wolfgang: Moderne die nicht Mode wurde: Die Hofanlage Garkau bei Scharbeutz von 1923/25

• Riesner, Wolfgang: Thiemanns Hof zwischen Tradition und Innovation. Ein kleinbäuerliches Vierständerhaus als Modell für ein repräsentatives Bauernhaus

• Pollmann, Josef Georg: Ziegel als gestalterische Schmuckelemente bei Sandsteingebäuden am Beispiel Ense-Bremen, Kreis Soest, 1900 – 1910

• Wiedemann, Konrad: Zeit- und zweckentsprechende Modernisierungen im landwirtschaftlich-bäuerlichen Gebäudebestand des Wendlandes um 1900

• Aka, Christine: Nachbarn im Leben – Nachbarn im Tod. Elitenhabitus und Grabkellerkultur in der Wesermarsch

• Reimers, Holger: Vorbild – Abbild – Surrogat – Symbol. Motive des Wandels

• Schimek, Michael: Fragen wir doch den Bauherrn! Neo-Historistische Tendenzen im ländlichen Bauen West-Niedersachsens

• Dörfler, Wolfgang: Ein Dorfhäuschen. Die rasante Zunahme kleiner Fachwerkgebäude als Dorfvereinstreff im Landkreis Rotenburg (Wümme) seit 1990.

Tagungsbericht in den AHF-Mitteilungen 84, 2014, S. 5-11

 
Drei Tage in der Wilster- und Kremper­marsch. Ein Bericht von der Tagung der Re­gionalgruppe Nordwest in Glückstadt

Das 26. Treffen des nordwestdeutschen Arbeitskreises für Hausforschung führte uns am 14. bis 16. März 2014 nach Glückstadt und in die angrenzende Wilster- bzw. Krempermarsch - auf Einladung der Architektin und örtlichen Repräsentantin der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB), Christine Scheer, und von Dr. Wolfgang Rüther, dem Leiter des schleswig-holsteinischen Freilichtmuseums Kiel-Molfsee. Die Tagungsregion liegt nordwestlich von Hamburg, aber abseits der großen Verkehrsströme und war daher den meisten unserer Teilnehmer unbekannt.

Glückstadt wurde 1617 durch den dänischen König Christian IV. gegründet, der gleichzeitig König von Norwegen und Herzog von Schleswig-Holstein war. Der planmäßig angelegte Ort mit einem breiten Hauptkanal (Fleet) und sternförmig vom zentralen Marktplatz ausgehenden Straßen war eine wichtige Festung und über Jahrzehnte die zweitgrößte Stadt des dänischen Königsreichs, der Hafen sollte Hamburg Konkurrenz machen. Holländische Exulanten (Religionsflüchtlinge) und sephardische Juden aus Portugal kamen in die Stadt und belebten die Wirtschaft, wanderten aber schon bald nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder ab. Heute ist Glückstadt eine kleine Landstadt mit großer Vergangenheit und den typischen Problemen der negativen demographischen Wandels in ländlichen Regionen. Die Stadtführung am Freitag begann in drei Gruppen am Marktplatz und endete im Detlefsen-Museum, dem Stadtmuseum, das im Palais Brockdorff, einem prächtigen Backsteinbau von 1632, residiert. Gegründet 1894 von Sönnich Detlef F. Detlefsen (1833-1911), gehört es zu den frühen Museen Schleswig-Holsteins. Der Schwerpunkt liegt auf einer modern gestalteten stadt- und wirtschaftsgeschichtlichen Präsentation, u.a. zu den früheren Erwerbszweigen Heringsfischerei, Walfang und Robbenschlag. Imponierend ist auch die dort gezeigte „Döns“, eine holzgetäfelte Stube von 1794, die noch 2002 aus einem abgebrochenen Bauernhaus in der benachbarten Störniederung gerettet worden ist.

Zum Abschluss des Tages wurden wir im Ratskeller vom Glückstädter Bürgermeister begrüßt und erhielten durch Christian Boldt eine Einführung in die Geschichte der Festungsstadt Glückstadt. Bei einem schmackhaften Abendessen und guten Gesprächen klang der Tag aus. Für die vorzügliche Organisation und gute Verpflegung während der Tagung haben wir Christine Scheer, Thomas Spohn und Wolfgang Rüther (mit seinen Mitarbeitern vom Freilichtmuseum Kiel- Molfsee) zu danken.

Tagungslokal für den Sonnabend war die Gastwirtschaft „Poppenhuus“ in der „Engelbrechten Wildnis“ nahe Glückstadt – ein liebevoll restauriertes niederdeutsches Hallenhaus der Krempermarsch, dessen Spitzname von einer Figur der Göttin Flora am Wohnteilgiebel herrührt. Hier begrüßte Stefan Haar, der Bundesvorsitzende der IGB, die Teilnehmer und erinnerte an unseren kurz zuvor verstorbenen Freund und langjährigen Mitstreiter Knut Hose aus dem Wendland. Anschließend gab Dr. Wolfgang Rüther einen kurzen Überblick zu Landschaften und Bevölkerung in Schleswig-Holstein – insbesondere der Unterschied zwischen den fruchtbaren Schwemmland-böden (Klei) der küstennahen Marschen und der sandigen, weniger günstigen Geest sowie den hügeligen, eiszeitlich geprägten Landschaften Ostholsteins ist hier von Bedeutung. Anschließend trug Christine Scheer das Referat des erkrankten Dr. Klaus Lorenzen-Schmidt zur Siedlungs- und Agrargeschichte der Tagungsregion vor: Die ersten nachmittelalterlichen Siedlungen in der Wilster- und Krempermarsch entstanden in Zusammenarbeit von niederländischen Fachleuten für Entwässerung und Deichschutz mit Siedlern aus der näheren Umgebung. Die Siedlungsstruktur bestand aus 24 ha großen Parzellen mit den Bauernhäusern in der Mitte. Diese Streusiedlungslage ist bis heute in der Landschaft nachvollziehbar. Notwendig war alle fünf Jahre das „Kleien“, d.h. Entschlammen der Entwässerungsgräben, wobei die „Grüppen“ von Hand leer geschöpft und der Aushub mittig auf die „Stücke“ gebracht wurde. Daraus entstand über die Jahrhunderte die typische Wölbung der schmalen Acker- und Wiesenparzellen der Marsch. Zur Bearbeitung der extrem schweren Kleiböden mussten Gespanne von vier oder sogar sechs Pferden den einscharigen Pflug ziehen. Mit der sog. zweiten holländischen Einwanderung seit dem späten 16. Jahrhundert kamen Entwässerungsmühlen in die Wilstermarsch, die eine Besiedlung der tiefliegenden Flächen im Innern der Marsch ermöglichten. Durch die stetige Entwässerung senkte sich der torfhaltige Untergrund, so dass hier heute die tiefste Stelle Deutschlands mit 3,5 Meter unter dem Meeresspiegel zu finden ist. Mit den holländischen Einwanderern hielten das „Barghus“ als spezifische Ausbildung des Gulfhauses und die Käseproduktion Einzug in die westelbischen Marschen. Damit begann hier der Einstieg in die exportorientierte Milchverarbeitung früher als in anderen Teilen Norddeutschlands. Wegen der schlechten Qualität des eisenhaltigen Trinkwassers war Bier das Hauptgetränk in den Marschen. Die Bauern suchten aus der Reihe ihrer Söhne selbst den Hoferben aus und in Ermangelung von Söhnen konnten auch Töchter den Hof erben. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden nichterbende Söhne auf höhere Schulen und Universitäten geschickt und ergriffen akademische Berufe.

In ihrem eigenen Referat stellte Christine Scheer die vielfältige und gut erforschte ländliche Bautradition der Tagungsregion vor. Trotz ihrer räumlichen Nähe sind die Krempermarsch im Osten und die Wilstermarsch im Westen Glückstadts zu unterscheiden; dazwischen verläuft die Störniederung. In der Krempermarsch ist das niederdeutsche Hallenhaus, das sogenannte „Husmannshus“, verbreitet. Eines der ältesten Beispiele aus dem Jahre 1597 war etwa eine Woche vor der Tagung abgebrochen worden – nach mehr als 40-jährigen, letztlich vergeblichen Bemühungen um seine Erhaltung. Die Hallenhäuser der rechtselbischen Marschen sind Durchgangsdielenhäuser ohne Kammerfach; Kammern, Stuben und eine Küche liegen am Wohnende im „Vörhus“ (Vorderhaus) beiderseits der Diele. Charakteristisch sind seitliche Flügelbauten mit ungeheizten, oft prächtig bemalten Sommerstuben. Während der in der Regel zum Deich gerichtete Wohnteil einen repräsentativen, mehrfach vorkragenden Steilgiebel aufweist, hat der rückwärtige Wirtschaftsgiebel meistens einen Vollwalm. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts gingen einige Bauern dazu über, massive Backsteingiebel oder zweigeschossige, herrschaftlich anmutende Wohnhäuser zu errichten, deren Obergeschoss mit großen Fenstern mitunter gar keine Wohnnutzung aufwies, sondern nur Lagerraum war. In der Wilstermarsch machten aber auch die reichen Bauern diese Entwicklung nicht mit, sie blieben bis ins 20. Jahrhundert bei den traditionellen Bauernhausformen. Hier sind zwei Haustypen zu unterscheiden: Das niederdeutsche Hallenhaus („Husmannshus“) auf den schon früh besiedelten Uferwällen nahe der Elbe und das Gulfhaus („Barghus“) im tiefer gelegenen Innern der Marsch. Das Gerüst des „Bargs“, des zentralen, erdlastigen Erntestapelraums, besteht aus vier mächtigen Kiefernholzständern mit durchgezapften Ankerbalken und zwei das Hochrähm unterstützenden Zwischenständern. An den Enden des Gerüstes liegen den Rähmen „Bojebalken“ auf, die die Sparren der Walme tragen. Barghüser sind von außen an der außermittigen Einfahrt am Wirtschaftsgiebel zu erkennen. Der Wohnteil, das sogenannte Vörhus, ist im Gegensatz zum Hallenhaus vom Wirtschaftsteil getrennt und als eingeschossiger Querbau an den breiten, hohen Scheunenteil angefügt. Als Nebengebäude stehen auf vielen Höfen große „Bargscheunen“ neben den Haupthäusern. Für Altenteiler und ärmere Handwerker oder Tagelöhner wurden Reihen von Katen entlang der Deichlinien errichtet; später zogen viele Altenteiler nach Wewelsfleth oder Wilster.

Passend dazu führte eine erste Exkursion nach der Mittagspause zu einem besonders einfühlsam renovierten Husmannshus der Krempermarsch, dem Hof Looft in Gehlensiel (Gemeinde Herzhorn). Die prächtige Hofanlage des 18. Jahrhunderts erregte unsere Bewunderung, besonders die riesige, unausgebaut gebliebene Diele, das original erhaltene Sommerhaus mit einer bunt bemalten Sommerstube und die „Döns“ mit prächtigen eichenen Wandpaneelen, die aus dem kürzlich abgebrochenen Haus von 1597 gerettet worden ist.

Dr. Sigrid Wrobel vom Thünen-Institut der Universität Hamburg berichtete über die „Beschaffung von Bauholz in waldloser Gegend“ aus ihrem reichen Schatz von in Jahrzehnten gewonnenen dendrochronologischen Ergebnissen. Bis etwa 1600 konnten Bauherren und Zimmerleute in den Marschen auf Eichenholz aus der näheren Umgebung zurückgreifen. Danach tritt fast nur noch Kiefernholz als Bauholz auf. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass Kiefernholz in weiten Teilen Westeuropas im 17. und 18. Jahrhundert gar nicht vorkam, so in England, Frankreich und den Niederlanden sowie in Schleswig-Holstein und Nordwestdeutschland – hier musste Kiefernbauholz aus östlichen und nördlichen Regionen von Mecklenburg bis Schweden bezogen werden. Dazu passen die an den Hölzern vieler Bauten erkennbaren Floßbohrungen (wie sie etwa Ulrich Klages vielfach beobachtet hat). Ungeklärt blieb allerdings, ob in den Marschen auch „oberländisches Holz“ vom Oberlauf der Elbe verwendet wurde, da die Kurven nach Aussage der Referentin darauf keine Hinweise zeigten.

Die Reihe der Vorträge zum Tagungsthema „Das will ich auch! Mode und Imitation im ländlichen Bauwesen“ eröffneten Dr. Thomas Spohn und Heinz Riepshoff – jeder zu einem für seine Untersuchungsregion spezifischen Gestaltungsmerkmal und dessen Verbreitung. Während Thomas Spohn über Darstellungen von Uhrzifferblättern auf Fachwerkgiebeln des westfälischen Sauerlandes referierte, ging Heinz Riepshoff auf die in Form eines Fischschwanzes gestalteten Knaggen an Fachwerkbauten der Grafschaft Hoya an der mittleren Weser ein. Die Zifferblätter (ohne funktionierendes Uhrwerk) treten zwischen 1774 und 1793 (mit „Nachläufern“ bis 1821) zusammen mit anderen religiösen Symbolen an Bauernhausgiebeln im katholischen Sauerland auf. Thomas Spohn deutet sie als Zeichen, die an die Vergänglichkeit der irdischen Existenz des Menschen mahnen. In einem interessanten theoretischen Exkurs behandelte Spohn die Begriffe Wandel, Mode, Imitation und Tradition und diskutierte das Problem von Freiwilligkeit oder damit verbundenem gesellschaftlichem Zwang. Heinz Riepshoff widerlegte gängige Erklärungsversuche für das Phänomen der Fischschwänze, die zwischen 1604 und 1621 an Fachwerkbauten der Grafschaft Hoya vorkommen – weder die Zugehörigkeit zu den „Siebenmeierhöfen“ des Klosters Bücken noch angenommene Fischereirechte des Erbauers spielten dabei eine Rolle. Abgesehen von ihrer offensichtlichen Verbreitung durch Nachahmung konnte er keine Erklärung für diese vermutlich von einem begabten Schnitzer gefertigten Renaissanceverzierungen anbieten.

Wolfgang Riesner stellte anschließend ein kleines Vierständer-Hallenhaus aus dem Mindener Land von 1875 vor, das zeitgemäße Schmuckformen und funktionale Neuerungen aufweist und offensichtlich als Vorbild für einen größeren Bauernhausneubau von 1882 des gleichen Zimmermeisters auf einem Nachbarhof diente – hier lassen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Erbauern auf eine unmittelbare Nachahmung schließen. Josef Pollmann aus Arnsberg führte mit seinem Referat in das Exkursionsgebiet der vorigen Tagung, in die Soester Börde in Westfalen. Er zeigte mehrere landschaftstypische Wohn- und Wirtschaftsgebäude des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus dem dort vorkommenden Grünsandstein, die auffällige Lüftungsöffnungen aus Backsteinen aufweisen, die an Einfluglöcher von Taubenschlägen erinnern. Auch stellte er einen örtlichen Bauunternehmer vor, der mehrere dieser Gebäude errichtete.

Der Restaurator Konrad Wiedemann präsentierte mehrere Umbauten von Vierständer-Hallenhäusern im niederen Drawehn (Hannoversches Wendland), die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in typischen Formen des Historismus und Jugendstils ausgeführt wurden. Einige Beispiele zeigen das zeittypische Bemühen, die Gebäude im Sinne des Heimatstils in „landschaftsgebundenen“ Bauformen (Fachwerk, Eingangsloggia anstelle des Dielentores, Pferdeköpfe) umzugestalten. Außerdem zeigte er interessante Beispiele für dekorative Innenraumgestaltungen dieser Zeit mit farbigen Schablonenmalereien und Tapeten.

Prof. Dr. Christine Aka, Volkskundlerin aus Münster, berichtete über Ergebnisse eines Forschungs- und Ausstellungsprojektes am Museumsdorf Cloppenburg: Sie hat die repräsentative Kultur der „bäuerlichen Elite“, also der wohlhabenden Bauern in der Wesermarsch (westlich der Weser, nördlich von Bremen) anhand von überlieferten Sachgütern, Häusern und einer ausgeprägten Friedhofskultur untersucht. Auf den Friedhöfen der Wesermarsch finden sich mächtige Erbbegräbnisse, sog. Grabkeller dieser bäuerlichen Familien aus Obernkirchener Sandstein, die mit adligen Gruftanlagen anderer Regionen vergleichbar sind. Aka beobachtet für diese bäuerliche Oberschicht, die in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges durch „Fettviehhandel“ zu großem Reichtum gekommen ist, Investitionen in Hausbau und „Repräsentationskultur“, zu deren „must haves“ auch solche Grabanlagen mit spezifisch protestantischen (lutherischen) Ausdrucksformen gehörten. Ähnlich aufwendig gestaltete Grabstelen von Marschbauern konnten wir am folgenden Tag auf dem Friedhof in Wewelsfleth besichtigen.

Einen anregenden Versuch einer „gegenwartsbezogenen Hausforschung“ unternahm Dr. Michael Schimek (Museumsdorf Cloppenburg), der sich mit „neo-historistischen Tendenzen“ im heutigen Bauen beschäftigte. Seit den 1980er Jahren sei im ländlichen Eigenheimbau eine „retrospektive Bauauffassung“ zu beobachten, eine Wiederaufnahme von traditionellen oder historistischen Elementen wie Sprossenfenstern, Krüppelwalmen, Zwerchgiebeln mit Freigespärren, Ziegelornamenten oder auch Fachwerk, wie sie mittlerweile auch von Fertighausherstellern angeboten werden. Anders als die historische Hausforschung braucht Schimek dabei über die Motivationen von Bauherren nicht zu spekulieren, sondern kann diese selbst befragen. Er führte mehrere Interviews mit den Erbauern von nachgebauten Fehnhäusern im Oldenburger Land, die sich besonders eng an den überlieferten Bautypen von Fehnsiedlungen des späten 19. Jahrhunderts (kleine Gulfhäuser mit historistischer Backsteindekoration) orientierten, dabei spielte die Identifikation mit der Geschichte der eigenen Vorfahren in der Fehnsiedlung eine große Rolle. Schimek beabsichtigt, diese Befragungen bei anderen Bauherren von Häusern mit Backsteinornamenten und farbig glasierten Dachziegeln oder von Neubauten im „Toskana-“ oder „Hacienda-Stil“ fortzusetzen, um den Ursachen und Motivationen für diesen auffälligen „Neo-Historismus“ weiter auf die Spur zu kommen.

Abschließend sprach Dr. Wolfgang Dörfler über ein anderes Phänomen „retrospektiven Bauens“, nämlich den Wiederaufbau oder Nachbau von traditionellen Fachwerkgebäuden in norddeutschen Dörfern für eine gemeinschaftliche Nutzung – eine mittlerweile weit verbreitete Bewegung in Norddeutschland, an der er in seinem Heimatort Hesedorf (bei Gyhum, Landkreis Rotenburg) selbst beteiligt war. Von der Translozierung von großen niederdeutschen Hallenhäusern und ihrer Neunutzung als Heimat- oder Dorfgemeinschaftshäuser über den Wiederauf- oder Neubau von einzelnen Schafställen oder Backhäusern bis zu „kleinen Häuserzoos“ reicht das Spektrum dieser von Vereinen getragenen Bauaktivitäten in zahlreichen Dörfern. Dabei steht oft die Freude an gemeinschaftlichen, handwerklichen Aktivitäten und am vermeintlich Traditionellen im Vordergrund, während denkmalpflegerische Ambitionen nur in Einzelfällen eine Rolle spielen.

Exkursion in die Kremper- und Wilstermarsch

Am Sonntag, 16. März folgte die übliche Busexkursion in die Tagungsregion, die einen eindrucksvollen, von Christine Scheer sorgfältig vorbereiteten Überblick über die ländliche Baukultur der Kremper- und Wilstermarsch bot. Zunächst wurde der Hof Lutte in Dammfleth, Hochfeld 7, besucht, ein früherer Milchwirtschaftshof mit einem typischen Barghus der inneren Wilstermarsch und zwei Nebengebäuden. Das 340 qm große Barghus mit Kiefernholz-Innengerüst wurde nach 1737 (d) wohl zwischen 1745 und 1772 errichtet; der eingeschossige, quer angebaute Wohnteil wurde 1878 erneuert. 1992 erwarben die heutigen Eigentümer den Resthof und restaurierten ihn behutsam – bei extensiver Nutzung des Wirtschaftsteiles mit dem tragenden Gulfgerüst.

Auf dem Hof Lübbe in Stördorf 12 konnte der immer noch eindrucksvolle Torso eines frühen Husmannshuses (Hallenhauses) mit Ankerbalkenzimmerung von 1569 (d) besichtigt werden. Der Wirtschaftsteil des Gebäudes war schon zum größten Teil abgebrochen, als der Eigentümer 1986 von einer Erhaltung überzeugt werden konnte. Erhalten blieben drei Restgebinde des alten Hallenhauses, die heute durch eine große Glaswand abgeschlossen werden, und der spätklassizistisch umgebaute, zweigeschossige Wohnteil. Außerdem steht auf dem Hof eine frühe Bargscheune von 1605 (d), die unter Erhaltung des historischen Innengerüstes zu einem großzügigen, modernen Wohnhaus umgestaltet worden ist. Bei einsetzendem Nieselregen wurde bei Honigfleth eine translozierte und restaurierte Wasserschöpfmühle mit Förderschnecke (archimedischer Schraube), eine der letzten der Wilstermarsch, in langsamer Vorbeifahrt besichtigt.

Es folgte ein Rundgang durch die Kleinstadt Wilster, den Hauptort der Wilstermarsch. Zunächst wurde die ev.- luth. Bartholomäuskirche besichtigt, ein eindrucksvoller spätbarocker Emporensaal aus Backstein mit großen, parabelförmigen Bogenfenstern und älterem Westturm. Erbaut wurde die Kirche 1775-81 nach Plänen von Ernst Georg Sonnin, dem Architekten der Hamburger Michaeliskirche und ihres Turmes, des „Hamburger Michels“. Es folgte das Alte Rathaus, ein reicher Renaissance-Fachwerkbau auf einem hohen Backsteinunterbau von 1585, der 1912-19 von Albrecht Haupt (Hannover) restauriert wurde (weitere Sanierungen: 1985-96, 2007-12). Der Bau enthält interessante museale Sammlungen, eine historische Bibliothek und eine translozierte Wilstermarsch-Stube; ein Naturkundemuseum befindet sich im zugehörigen Speicher. Das „Neue Rathaus“ (Doo-se‘sches Palais) wurde 1785 von dem Kanzleirat Doose als großbürgerlicher Beamtensitz erbaut und 1828 von seiner Witwe der Stadt Wilster vermacht. Der spätbarock-klassizistische Backsteinbau (Fassade 1936 rekonstruiert) mit reicher Innenausstattung und teilweise erhaltener Gartenanlage dient heute als Stadtbibliothek und -archiv.

Nachdenklich machte uns ein frisch geschredderter Backsteinhaufen auf einer Warft, an dem wir am Ortsausgang von Wilster vorbeifuhren - nach Aussage von Christine Scheer die letzten Überreste eines soeben abgerissenen Fachhallenhauses mit einer sehr schönen Vorderfront aus dem 19. Jahrhundert. Auch sonst waren während der Rundfahrt immer wieder leerstehende Bauernhäuser oder Scheunen mit löcherigen Reetdächern und Anzeichen fortschreitenden Verfalls zu beobachten – die Gefährdung der ländlichen Baukultur durch den Strukturwandel der Landwirtschaft und demographische Veränderungen wurde erschreckend deutlich.

Den Abschluss der Exkursion bildete ein Rundgang durch Wewelsfleth. Der Ort war nach 1500 wegen wiederholter Überflutungen vom Elbufer an seinen jetzigen Standort am Fluss Stör verlegt worden. Die Häuser an der Dorfstraße und Deichreihe stehen direkt auf dem Stördeich, bei Hochwassergefahr konnten Holzbohlen in Nuten zwischen den Hausfassaden eingeschoben werden. Die ev. Trinitatiskirche wurde 1503 als schlichter Backstein-Saalbau erbaut, das südliche Querhaus 1598 angefügt. Der freistehende hölzerne Glockenturm mit Schweifhaube stammt von 1817. Vor der Kirche stehen einige imposante Grabstelen von Marschbauern aus dem 17. und 18. Jahrhundert; andere Grabdenkmäler erinnern an örtliche Schiffbauerfamilien; die Schiffbautradition besteht bis heute. Das benachbarte Haus Dorfstraße 3 wurde ausgiebig besichtigt. Der langgestreckte Fachwerkbau mit Brettergiebeln stammt in seinem hinteren Teil von 1590 (d) und wurde 1698 (d) durch den Kirchspielvogt Peter Hellmann erweitert. Große Teile der alten Ausstattung blieben erhalten und wurden behutsam restauriert: ein Saal mit Spätrenaissance-Kamin und glasierten Fußbodenfliesen im Obergeschoss, Stube und Kammer im Erdgeschoss mit hölzernen Paneelen und Wandfliesen sowie ein Kolonialwarenladen von 1830 an der Diele, der noch bis 1965 in Betrieb war. 1970 kaufte der Schriftsteller Günther Grass das Haus und rettete es vor dem Abriss. Er bewohnte es bis 1984, hier entstanden u.a. die Romane „Der Butt“ und „Kopfgeburten“. Anschließend schenkte er das Haus der Alfred-Döblin-Stiftung (Berlin), die es als Wohnung für Literatur-Stipendiaten nutzt.

Zum Abschluss wurde südlich der Kirche ein früherer Speicher des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts von außen besichtigt, der später zum Wohnhaus umgenutzt worden ist. Gegen 17 Uhr endete die Exkursion am Kirchplatz in Wewelsfleth und mit nachhaltigen Eindrücken aus einer reichen Kulturlandschaft an der unteren Elbe traten die Teilnehmer den Heimweg an.

Wolfgang Dörfler und Heinrich Stiewe

2013 - 25. Tagung in Bad Sassendorf (Kreis Soest): „Hausbau in Etappen – Bauphasen des niederdeutschen Hallenhauses”

Tagungsort: Landwirtschaftszentrum Haus Düsse; Partner: LWL-Denkmalpflege, 15. bis 17. März

Organisation: Peter Barthold, Thomas Spohn

Aus dem Aufruf: Die Haupthäuser Nordwestdeutschlands stammen oft nicht ‚aus einem Guss’, sondern weisen zwei oder gar mehrere prägende Bauphasen auf. Systematisch hat sich bisher nur Volker Gläntzer in den 1970er Jahren mit diesem Phänomen beschäftigt: Allein in den beiden Artländer Gemeinden Badbergen und Gehrde waren 51 Haupthäuser zu ermitteln, die doppelt bzw. mehrfach inschriftlich datiert sind. Nach Phasen der Erst- und Zweit-Datierung sortiert, zeigte sich, dass die ältesten Bauten bei Erhalt der Kerngerüste im Verlauf des 18. Jahrhunderts besonders in der Gestalt des Wirtschaftsgiebels verändert wurden, während die Veränderungen aller älteren Häuser im späten 19. Jahrhundert überwiegend den Wohnteil betrafen. Jedoch kann das ‚Bauen in Etappen‘ seine Ursache nicht nur in der Anpassung an jeweils moderne Standards/Erfordernisse haben, seien sie gestalterischer Art wie bei Fassadenumbauten oder Umdekorationen im Inneren, seien sie funktionaler Art wie bei Umbauten der Wirtschaftsteile aufgrund von Veränderungen der landwirtschaftlichen Methoden (z.B. Rindviehstallvergrößerungen; Drempelbildung) oder seien sie wohnkultureller Art wie bei Umbauten der Wohnteile im Gefolge steigender Wohnansprüche (z.B. Anbauten, Aufstockungen oder Erhöhung des Kammerfachs/ Wohnteils). Mögliche Ursachen sind vielmehr auch Streitigkeiten zwischen verschiedenen Baupflichtigen, wie beim Pfarrhausbau, aber womöglich auch zwischen Eigentümer (Grundherr) und Pächter (Bauer), oder problematische Erfolgen oder persönliche, natürliche oder gesellschaftliche Katastrophen, die zur vorübergehenden Unterbrechung des (Neu-) Bauvorhabens zwangen. Vorträge sind zu allen diesen verschiedenen Varianten von „Doppeldatierungen“, vom „Bauen in Etappen“, vom „Weiterbauen am Bauernhaus“ erwünscht: Natürlich auch solche, die am Beispiel eines einzelnen Hauses bzw. Hofes die zu den Bau- bzw. Umbaumaßnahmen führenden Ursachen und Motive erhellen können. Auch die Verlegung von Haus- oder Hofstandorten und die Abfolge der Erstellung von Haupthaus und Nebengebäuden können zur Erkenntnis typischer Bau- bzw. Umbaumuster beitragen.

Vorträge:

• Barthold, Peter: Zur Baugeschichte des Tagungsortes: Haus Düsse

• Spohn, Thomas: Einführung in die Geschichte der Tagungsregion und ihres ländlichen Hausbau sowie in das Tagungsthema

• Pollmann, Josef: Baumeister Baade. Ein Baumeister zwischen Tradition und Moderne

• Notz, Heike: Ein Leibzuchthaus im Vogler

• Busch, Johannes: 1362 - 2013, 650 Jahre Baugeschichte eines Münsterländer Gräftenhofs in Lüdinghausen

• Kaspar, Fred: Reste eines 1541 datierten Bauernhauses im Münsterland

• Barthold, Peter: Vom Halbspännerhof zur Erbmeyerstätte und zurück – Der sogenannte Beckmannshof in Halle/Westfalen

•  Volmer, Lutz: Neubauen, Umbauen, Weiterbauen. Das Unvollendete im ländlichen Hausbau der Grafschaft Ravensberg um 1800

• Zimmermann, Haio: Die Ahnen des Niederdeutschen Hallenhauses, Ergebnisse der Archäologie

• Riepshoff, Heinz: Pfostenbauten in der früheren Grafschaft Hoya? Oder - Was sich aus zweitverwendeten Balken von Bauernhäusern, die vor dem 30-jährigen Krieg gebaut wurden, ablesen lässt

• Turner, Hans-Joachim: Ein Bauernhaus der Heide – Krelingen Nr. 15

• Wübbenhorst, Dirk / Hose, Knut: Einführung und Rückbau der schornsteinlosen Küchenstube im Wendland

• Scheer, Christine: Zeittypische Veränderungen an Fachhallenhäusern der Krempermarsch zwischen 1600 und 1900

• Onnen, Elke: Stallanbauten der 1930er Jahre. Eine Beobachtung aus dem Nordwesten Mecklenburgs

• Schimek, Michael: Verlängerung eingeplant. Gebäudeerweiterungen bei Bauten der Moor- und Heidekolonisation in Nordwestniedersachsen

• Maschmeyer, Dietrich: Umbauten von Bauernhäusern als Indikatoren für gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geschmacklichen Wandel

• Dautermann, Christoph: Zur Frühgeschichte des niederrheinischen T-Hauses im 17. Jahrhundert

• Eiynck, Andreas: Das Emsländische Bauernhaus - ein Um- und Ausbauhaus

• Reimers, Holger: Umbau, Ausbau, Anbau (Arbeitstitel)

• Klages, Ulrich, vorgetragen von Wolfgang Dörfler: „Zweiphasige“ Flett-Dielen-Gerüste in Hallenhäusern und die Zweitverwendung ganzer Gerüstkomplexe

2012 - 24. Tagung in Clausthal-Zellerfeld (Landkreis Oberharz, Niedersachsen): „Historischer Wetter- und Brandschutz am Fachwerkbau”

Tagungsort: Firma Sympatec (Clausthal-Zellerfeld), 20. bis 22. April, 82 Teilnehmende

Organisation: Anja Schmid-Engbrodt, Thomas Spohn

Exkursion: Clausthal-Zellerfeld, St. Andreasberg (Oberharz)

Tagungsberichte: AHF-Mitteilungen 81, 2013; Der Holznagel 1/2013 (Wolfgang Dörfler, Heinrich Stiewe)

Aus dem Aufruf: In den Bergstädten des Oberharzes haben neben Bergbau und Verhüttung extreme Witterungsbedingungen und häufige Stadtbrände das Bauwesen wesentlich geprägt. Dies soll den Anlass bieten, sich auch allgemeiner mit konstruktiven Maßnahmen des historischen Wetter- und Brandschutzes sowie Maßnahmen der Wärmedämmung am Fachwerkbau zu beschäftigen. Von Interesse sind insbesondere Betrachtungen baulicher Umsetzungen. Neben konstruktiven Aspekten können aber auch Themen behandelt werden, die auf strukturelle und organisatorische Lösungen des Schutzes abzielen. Damit öffnet sich ein weiter gestecktes Feld, das auch Themen der Nutzungen/Nutzungsbeschränkungen, des Heizens bis hin zu städtebaulichen Lösungen umfassen kann.

Vorträge:

• Gisevius, Bernd: Städtebauliche Gesamtkonzeptionen der Städte Clausthal und Zellerfeld

• Lampe, Wolfgang: Das Bergarchiv als bauhistorische Quelle für Haus- und Bauforscher

• Schmid-Engbrodt, Anja: Außenhaut, Wetterschutz, Wärmedämmung, Brandschutz und Gestaltung? – Beschläge und Behänge an Fassaden im Oberharz

• Spohn, Thomas: Noch‘n Mittelgebirge: Wandverkleidungen im südlichen Westfalen (Sauer-, Sieger- und Wittgensteiner Land)

• Adam, Bernd: Auf der Suche nach wetterbeständigen Baumaterialien und Konstruktionen. Abwägungen bei der Errichtung des Oberbergamtshauses in Clausthal 1725-1731

• Gisevius, Bernd: Wetter- und Brandschutzmaßnahmen an der Marktkirche in Clausthal

• Zimmermann, W. Haio: Wandverkleidungen mit Reith und Stroh von der Urgeschichte bis zur frühen Neuzeit. Ergebnisse archäologischer Untersuchungen und Bildquellen

• Turner, Hans-Joachim: Keilnutbohlen an einem Heidespeicher

• Högg, Frank: Bohlenstuben – Wärmedämmung?

• Reiff, Ulrich: Historischer Oberharzer Holzbeschlag contra Wärmedämmung? Ein Vorschlag aus der Praxis – die Freilegung einer historischen Aufputzmalerei, sowie die Neu-Verwendung der etwas später darüber angebrachten Holz-Fassade im Kontext der energetischen Sanierung 2010 am Haus Erzstraße 23 in Clausthal-Zellerfeld

• Haar, Stefan: Bauphysikalische Aspekte der Wärmedämmung am Fachwerkbau

• Pollmann, Josef Georg: Das Haus Falke in Arnsberg – eine Gefahr für den Brandschutz

• Dörfler, Wolfgang: Blitzschäden und Schutz vor denselben

• Balck, Friedrich: Historische Wasserversorgung in Clausthal und Zellerfeld – Wasser zum Trinken und Feuerlöschen

• Laufer, Johannes: Stadtbrände im Oberharz und ihre Auswirkungen auf den Hausbau

• Frank, Helge Th.: Brandschutzvorschriften im Oberharz – Obrigkeitliche Gängelung oder werteerhaltender Segen?

2011 - 23. Tagung in Bad Iburg (Landkreis Osnabrück, Niedersachsen): „Adliges und bürgerliches Wohnen auf dem Lande”

Tagungsort: Hotel „Zum Freden” (Bad Iburg); Partner: NLD und LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Münster, 25. bis 27. März, 98 Teilnehmende

Organisation: Volker Gläntzer, Elisabeth Sieve, Hermann Kaiser

Exkursion: Osnabrücker Land, nördliches Münsterland (Volker Gläntzer, Fred Kaspar, Laurenz Sandmann, Elisabeth Sieve)

Tagungsbericht: AHF-Mitteilungen 78, 2011, S. 10f. (Heinrich Stiewe)

Aus dem Aufruf: Mit dem Hauptthema „Bauen und Bauten des niederen Adels in Nordwestdeutschland“ wollen wir kein Themenfeld eingrenzen, sondern Grenzen überschreiten, Übergänge ermöglichen, Beziehungen erkennen: sozial determinierte, ständische, bau- und funktionstypologische, aber auch forschungsdisziplinäre. So mag es an der Nahtstelle zwischen bäuerlicher und nichtbäuerlicher Oberschicht, ländlichem Adel und städtischem Patriziat um Ähnlichkeiten und Anpassungen, um Unterschiede und Distinktion im Bauen, Wohnen und Wirtschaften gehen, um die rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um lokale und überregionale Orientierung usw. Dabei könnte des 16. Jahrhundert als eine vermutliche Umbruchszeit von besonderem Interesse sein

Vorträge:

• Rügge, Nicolas: Der ritterschaftliche Adel im Hochstift Osnabrück

• Michaels, Sonja: Fachwerk-Herrenhäuser des Landadels in Nordwestdeutschland – Ein Beitrag zur Typologisierung

• Maschmeyer, Dietrich: Bauhäuser, Brauhäuser, Torhäuser: Agrarbauten des Adels im Münsterland und ihr Vorbildcharakter

• Stiewe, Heinrich: Hallenhäuser als Herrenhäuser. Adliges und bürgerliches Wohnen auf dem Lande – Beispiele des 16. bis 19. Jahrhunderts aus Ostwestfalen und Lippe

• Kaiser, Hermann: Metamorphosen – Vom Bauernhof zum Adelssitz. Beispiele ständisch geprägter Wohnweisen

• Kaspar, Fred: Was macht der Städter auf dem Lande?

• Sandmann, Laurenz: Wohnen in der Stadtfeldmark von Warendorf – Vom Familienleben auf dem Land

• Barthold, Peter: Wie weit reicht die Stadt? – Güter außerhalb der Festung Minden

• Riepshoff, Heinz: Gut Koppel – Ein adeliger Bauernhof an der Weser

• Dörfler, Wolfgang: Ein ganzes und ein zerteiltes adeliges Hallenhaus aus der Mitte des Landkreises Rotenburg/Wümme

• Kagel, Nils: Das Amtsvorwerk in Moisburg. Ein landwirtschaftlicher Großbetrieb der frühen Neuzeit im Spiegel archäologischer und archivalischer Quellen

• Preßler, Erhard: Gulfscheunen auf den Herrensitzen Ostfrieslands und des Groninger Landes – Eine entwicklungsgeschichtliche Analyse

• Rüther, Wolfgang: Güter des Staates – der Baubestand der landesherrlichen Domänen in der Ostfriesischen Krummhörn im 18. und 19. Jahrhundert

• Weidlich, Ariane: „Bauernadel“ – zu Repräsentationsformen bäuerlicher Eliten in Oberbayern

• Haar, Stefan: Der Brunottesche Hof von 1594(d) in Rheden-Wallenstedt (Lkrs. Hildesheim) – Erste Forschungsergebnisse

• Damaros, Ulrich von: Hallenhäuser ohne Luchten in der Grafschaft Schaumburg im 16. Jahrhundert – Ein bislang ungeklärtes Phänomen

• Schmelter, Mario: Ländlicher Hausbau in Vorpommern vom 17. bis zum 19. Jahrhundert – Kontinuität und Wandel

• Tamson, Maren / Rattmann, Lea: Wasserburgen im Grönegau

• Prinzhorn, Carolin Sophie: Steinwerke in Stadt und Landkreis Osnabrück

• Herrmann, Josef: Kapellenbauten des niederen Adels im ehemaligen Fürstbistum Osnabrück

• Adam, Bernd: Die Häuser und Gärten des Hannoverschen Oberhofbaudirektors Friedrich Karl von Hardenberg (1696-1763)

• Spohn, Thomas: Die Bauten westfälischer Damenstifte des 17. und 18. Jahrhunderts als Vorbilder ländlichen und kleinstädtischen Bauens?

2010 - 22. Tagung in Verden (Niedersachsen): „Viehaufstallung” sowie als Sonderthema und Thema der Exkursion „Bauernhausbau im Dreißigjährigen Krieg”

 

Tagungsort: Landhotel „Zur Linde” (Verden-Hutbergen), 19. bis 20. März, 100 Teilnehmende

Organisation: Heinz Riepshoff, Wolfgang Dörfler, Luise Knoop

Exkursion: Landkreise Rotenburg und Verden

Tagungsberichte: AHF-Mitteilungen 76, 2010, S. 15-20; Der Holznagel 2/2010, S. 15-23 (Wolfgang Dörfler, Heinrich Stiewe)

Aus dem Aufruf: Thema ... wird die Viehaufstallung sein; es sollen also die Gebäude mit baulichen Spezifika für die Unterbringung des Nutzviehs dargestellt werden. Daneben wollen wir diesmal eine Sektion mit aktuellen Berichten abhalten. ... Das Motto dafür sollte lauten: „Mein spannendster Befund aus den letzen drei Jahren“. Besonders freuen wir uns auf die Exkursion, die zu ländlichen Bauten aus den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges führen wird. Wir können jetzt schon die Besichtigung von ganz ungewöhnlich großen und beeindruckend renovierten Gebäuden ankündigen.

Vorträge:

• Preßler, Erhard: Der Verdener Dom. Neue bauhistorische Untersuchungen

• Dörfler, Wolfgang: Die Region: das Bistum, Stift und spätere Herzogtum Verden

• Riepshoff, Heinz: Drei Prachtbauten des Jahres 1621

• Zimmermann, W. Haio: Stallhaltung und Auswinterung der Haustiere in ur- und frühgeschichtlicher Zeit

• Maschmeyer, Dietrich: Struktur und Bauweise von Stallungen im Niederdeutschen Hallenhaus und darum herum – eine bisher wenig beachtete Quelle zur Wirtschaftsgeschichte

• Turner, Hans-Joachim: Viehanbindevorrichtungen im Hallenhaus

• Scheer, Christine: Großviehstallungen in den Bauernhäusern der holsteinischen Elbmarschen

• Adam, Bernd: Vieh- und Kornhäuser, multifunktionale Großbauten auf Amtshöfen des 18. Jahrhunderts

• Gläntzer, Volker: Ein Wirtschaftsgebäude auf Gut Schleppenburg bei Iburg (Lkrs. Osnabrück)

• Pollmann, Josef Georg: Der Finkenhof in Oberhundem-Schwartmecke (Kreis Olpe). Anmerkungen zum alten Schafstall und zur Schafhaltung im Hundemer Land

• Högg, Frank: Friedrichstal, Werna, Branderode. Bauernhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts im Südharz

• Hose, Knut / Wübbenhorst, Dirk: Kein Flett, keine Stube: Die hohe Rauchküche als zentraler Raum in wendländischen Hallenhäusern

• Amt, Stefan: Hölzerne Glockentürme in Niedersachsen. Ein Projekt zur Erforschung des Alters und der Konstruktionsarten

• Schwarzhans, Dieter L.: Überkommene Hofstellen in der bäuerlichen Kulturlandschaft im Stadtteil Henrichenburg, Stadt Castrop-Rauxel (basierend auf dem digitalen Kulturlandschaftskataster Nordrhein-Westfalen)

• Spohn, Thomas: Die Versorgung des Ruhrgebiets aus dem ländlichen Umland

• Riepshoff, Heinz: Die Schweinehaltung in der Grafschaft Hoya

• Dörfler, Wolfgang: Der Dreißigjährige Krieg in der Region

2009 - 21. Tagung in Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen): „Schmuckformen im ländlichen Bauen”


 Tagungsort: Parkhotel (Hitzacker), 27. bis 29. März, 110 Teilnehmende

Organisation: Knut Hose, Dirk Wübbenhorst, Burghard Kulow

Exkursion: Hannoversches Wendland

Tagungsberichte: Der Holznagel 3/2009, S. 19-24 (Wolfgang Dörfler, Dietrich Maschmeyer) und S. 25-32 (Stefan Haar, Dietrich Maschmeyer)

Aus dem Aufruf: Ergänzend zu ihrer grundlegenden Gestaltung wurden Gebäude stets verziert. Schmuckformen kommen als Bestandteile der baukonstruktiven Durchbildung, z.B. Strebenanordnung und -form oder Firstausbildung, ebenso vor, wie als zusätzlich angebrachte Verzierung, z.B. konstruktiv bedeutungslose Fußbänder, Inschriften, Farbgebungen oder Giebelpfähle. Die Tagungsbeiträge sollen Aufschluss über regionale und zeitliche Unterschiede geben. Auch der Hinweis auf schmuckarme Bauweise ist ausdrücklich erwünscht.

Vorträge:

• Wübbenhorst, Dirk / Hose, Knut: Das Fotoalbum des Königs – Dorfansichten aus dem Wendland vor 1866

• Zimmermann, W. Haio: Zu Zierformen von Hauswänden und -giebeln in ur- und frühgeschichtlicher Zeit

• Maschmeyer, Dietrich: Vom Flechtwerk zum Backstein. Beobachtungen zu einer nicht nur technisch bedingten Baustoffinnovation im westlichen Westfalen

• Hose, Knut: Zierfachwerk an wendländischen Giebeln – Konstruktion oder Ornament?

• Riepshoff, Heinz: Von der notwendigen Konstruktion hin zum Schmuck

• Damaros, Ulrich von: Geckpfahl oder Pferdeköpfe – Beobachtungen zur Giebelzier im Schaumburger Landbaumeister

• Adam, Bernd: Streifen- und rautenförmige Backsteinornamente am Neuen Rathaus (1564-1566) in Lüneburg

• Kagel, Nils: Der Silberhof aus Scharmbeck, Lkr. Harburg. Ein Beispiel für die Übernahme städtischer Schmuckformen im ländlichen Hausbau der frühen Neuzeit

• Schäfer, Bernadetta: Von reiner Zweckmäßigkeit zum Überfluß. Das Bauernhaus im Maienna-Tal in Polen im 19. und 20. Jh.

• Weidlich, Ariane: Ornament und Farbe am Holzbau – Beispiele aus dem ländlichen Oberbayern

• Dörfler, Wolfgang: Farbige Bemalungen und andere Verzierungen der Herdwand des Niederdeutschen Hallenhauses

• Beelitz, Wolfgang: Verzierte Traufbretter an Gebäuden im Dorf Ragösen, Landkreis Potsdam-Mittelmark

• Barthold, Peter: Bemerkungen zu sandsteinernen Inschriftenplatten an historistischen Wirtschaftsgiebeln im östlichen Kreisgebiet Minden-Lübbecke

• Stiewe, Heinrich: Torbögen und Farbfassungen an Bauernhäusern in Ostwestfalen-Lippe

• Spohn, Thomas: Die Hallenhausgiebel in Offelten im Kreis Minden-Lübbecke

• Pollmann, Josef Georg: Schmuckformen im Sauerländer Fachwerkbau

•Wübbenhorst, Dirk: Inschrift als Ornament – Schriftzüge und andere Verzierungen im Wendland

•Gawlick, Henry: Inschriften und Zierden am niederdeutschen Hallenhaus in der Griesen Gegend

•Kulow, Burghard: In die Runde gebaut – deutsche Siedlungen mit slawischen Bewohnern

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